Wieso spielt in der deutschen Politik Charisma eine so kleine Rolle?

Wieso spielt in der deutschen Politik Charisma eine so kleine Rolle?

Ursachenforschung

 

Charisma und Politik

 

Die Momente sind selten, in denen das Zuhören unserer politischen Vertreter Freude bereitet. Schadet Charisma vielleicht sogar bei der politischen Karriere?

Überblick

 

 

 

 

 

Charisma in der deutschen Politik

 

Demokratie ist die Herrschaft des Volkes, in der die Mehrheit des Volkes die Entscheidungen trifft – so zumindest in der Theorie. Tatsächlich haben wir eine repräsentative Demokratie in der Bundesrepublik Deutschland. Jenseits der Parteipolitik gibt es bei den Vertretern etwas Auffälliges zu beobachten. Die Personen, die in den vorderen Reihen der deutschen Politik sitzen, sind heute vergleichsweise frei von Charisma im Sinne persönlicher Ausstrahlung. Vielen fällt es schon schwer, den einfachsten Grundlagen der Rhetorik zu genügen. Nicht nur inhaltlich schwächeln viele Politiker in Interviews bei einfachsten Fragen. Manches Gestammel vermittelt gar den Eindruck, da mache sich jemand einen Spaß über menschliche Unzulänglichkeiten. Und sehr oft vermittelt unbeholfene Körpersprache widersprüchliche Botschaften zum verbalen Inhalt. Und, und, und. Dabei wirkt es leider nicht einmal sympathisch, menschlich, sondern oft eher lieblos. Da freut sich das Publikum, wenn Gregor Gysi spricht, selbst wenn es seiner Partei misstraut. Bedauerlicherweise sind solche Momente selten, in denen das Zuhören unserer politischen Vertreter Freude bereitet.

 

Wer die Welt überzeugt, regiert sie.

Thomas Carlyle

 

 

 

Aber die aktuellen Volksvertreter …

 

Ja, Charisma spielt in der Politik hierzulande keine große Rolle. Und doch sind das die maßgeblichen Personen, verantwortlich für wesentliche Entscheidungen, die uns alle betreffen. Ist es erlaubt, verwundert zu fragen, wieso sie es trotzdem sind? Wäre mehr Ausstrahlung überflüssig oder ist es gar ein Teil deren Erfolgsrezeptes? Die Pfarrerstochter aus Mecklenburg-Vorpommern hat trotzdem oder gerade auf diese Weise alle und alles überstanden. Gibt es da einen Zusammenhang?

Umfrage

 

Politiker mit Ausstrahlung und Profil finde ich …

%

... wünschenswert.

%

... nicht erforderlich.

Nicht repräsentative Umfrage (Januar bis April 2017, n=996)

Überlegungen, die nach Antworten suchen

 

 

1. These

 

Die deutsche Bevölkerung hat wegen der nationalsozialistischen Vergangenheit tiefe Aversionen vor allzu charismatischen Persönlichkeiten. Es macht sich die Angst bemerkbar, dass sich die Massen an gefährlichen Rattenfängern orientieren und ihnen folgen.

 

 

2. These

 

Wer sich unbeholfen gibt, der wird unterschätzt und seltener angegriffen. Wer in Amt und Würden kommen und bleiben will, macht sich klein, nur nicht anecken oder zu sehr auffallen. Wildwuchs droht der Rückschnitt.

 

 

3. These

 

In politischen Organisationen gelten andere Voraussetzungen für die Karriere, als anderswo. Geklüngel und dergleichen findet besser unbemerkt statt.

Zeitgeist

 

War etwas in der Zeit von Brandt, Schmidt und Co anders oder wirken Menschen auf Schwarz-Weiß-Bildern einfach charakteristischer?

Ja, Charisma ist im Wesentlichen sicher eine Zuschreibung und somit an die eigene Betrachtung gekoppelt. Jeder von uns betrachtet die Welt durch die eigenen Augen und Wahrnehmungsfilter. Ist das nur meine Wahrnehmung oder wie sehen Sie das? Vielleicht ist es ja auch besser, weil Verpackung ja nur so viel wert ist wie der Inhalt und wir keine plagiatierenden Blender benötigen. Doch, was ist mit dem Bedürfnis nach Menschen, die Verantwortung übernehmen und Orientierung liefern? In einer Zeit, in der die Kluft zwischen Volksvertretern und Wählern immens ist, haben bei allem Frust doch einige die Sehnsucht nach inspirierenden und leidenschaftlichen Persönlichkeiten. Würden von solchen Menschen mehr Risiken oder Chancen ausgehen?

Wem der Begriff Charisma zu belastet erscheint, wie wäre es zumindest mit mehr Einsatz und Leidenschaft in der Politik, mit Diskussionen, die der Meinungsbildung dienen?

P.S.

 

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Demokratie muss auch Widerspruch aushalten. Wir brauchen ergebnisoffene Debatten statt vorgeschriebener Denkschablonen. Utopien im Sinne der Erkundung möglicher Szenarien braucht Freiraum statt Feigheit. Ärmel hoch: Wenn Ihre Argumente gut sind, machen Debatten Sie nur noch besser.

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Autor: Karsten Noack 
Erstveröffentlichung: 21. Mai 2004
Überarbeitung: 02. Mai 2026
AN: #371
K:
Ü:

Donald Trumps erste Pressekonferenz seit der Wahl

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Sprache, Körpersprache, Impulskontrolle
Donald Trumps erste Pressekonferenz seit der Wahl

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Die Tagesschau berichtet. Mit „Guten Abend!“ fängt es an und dann folgen 15 Minuten, um zu erklären, dass es kein guter Abend ist.

In wenigen Tagen ist Donald Trump der mächtigste Mann der Welt. Da haben die Medien viele Fragen. Schlag auf Schlag folgte auf der Pressekonferenz ein Thema dem anderen. Dramatisch wurde es, als Trump anwesende Journalisten angriff, die aus seiner Sicht mit Nachrichten in Verbindung stehen, die er als „Fake News“ bezeichnete. Er erklärte, dass er aus diesem Grund auch deren Fragen weder hören noch beantworten würde. Über die Berichte, Russland hätte belastendes Material über ihn gesammelt, war er nicht sehr erfreut. Die Frage, ob er als Präsident vonseiten Russlands erpressbar sei, empörte ihn heftig. Auch Achilles war nur so stark wie seine Ferse. Seine Reaktion dürfte alle irritieren, die dachten, er würde sich nach der Wahl staatsmännischer verhalten.

 

 

 

Trumps Reaktionen und was es zu lernen gibt

 

 

1. Verharmlosen

 

So, als wäre das nichts Besonderes, erklärt Trump; „Wenn es um die Hacker-Angriffe geht, denke ich, dass es Russland war.“ Offenbar hatten die Russen Einfluss auf die amerikanischen Präsidentschaftswahlen zugunsten Trumps genommen. Bisher wollte er das nicht einräumen, sondern lieber aus dem Weg räumen. Aus seiner Sicht hätten aber auch andere Staaten schon Hackerangriffe auf die USA unternommen. Er betont das so als, wenn es das normalste der Welt ist, na und! Auf diese Weise der Erwähnung nimmt er etwas Druck heraus, was ihm sehr recht sein dürfte. Die Gefahr als Lakai Wladimir Putins wahrgenommen zu werden ist gefährlich

 

 

 

2. Angriff ist die beste Verteidigung, wer braucht schon Impulskontrolle

 

„Ihr Nachrichten-Sender ist schrecklich. Ihr bekommt keine Frage. Ihr seid Fake-News. Seien Sie leise.“ Das durfte der Journalist Jim Acosta des Nachrichtensenders CNN hören. So etwas ist recht typisch für Trump. Er reagiert auf Angriffe mit aggressiver Herabsetzung und Verletzung der Gegner und das sind in diesem Fall Journalisten. Auf Fragen, die ihm missfallen reagiert er dünnhäutig, wie es bei Personen mit narzisstischen Tendenzen üblich ist.

Eine solche leichte Kränkbarkeit wird meist von der Angst gespeist, selbst entwertet zu werden und spricht für ein sehr wackliges Selbstwertgefühl. Wobei es schon sehr unangenehm sein dürfte, ständig von so einem hohen Anteil von Landsleuten angefeindet zu werden.

Diese Pressekonferenz fördert erneut den Eindruck, er könne seine Affekte nicht kontrollieren. Das Vertrauen und die Sympathien wird er damit kaum fördern. Auch ein US-Präsident braucht Unterstützung. Doch so impulsgesteuert wird es ihm nicht leicht fallen, sich auf Gesprächspartner einzulassen, wenn diese nicht nach seiner Pfeife tanzen. Drohungen verbessern gute Kommunikation nur selten. In einem Bereich, in dem wir nicht erst seit Francis Underwood und House of Cards wissen, dass es immer wieder um den Ausgleich von Interessen und um Kompromisse geht, wird er es schwer haben. Irgendwann wird Trump die Presse brauchen. Wenn er dann genauso auf Gegenwind reagiert, wird es heikel.

Szene ansehen bei YouTube (externer Link)

 

 

So etwas gibt es doch nur in Amerika, oder?

 

Wenn ich mir vorstelle, unser Bundeskanzlertitelinhaber würde auf diese Weise reagieren, wäre der Aufschrei groß. Wobei auch deutsche Politiker nicht dafür bekannt sind, auf ihnen unangenehme Fragen zu antworten. Doch sie reagieren noch etwas vorsichtiger und drohen nicht offen mit Vergeltung. Hoffen wir, dass wir trotz Globalisierung noch eine Weile von diesem Phänomen verschont bleiben. Wetten werde ich dazu jedoch nicht annehmen.

 

 

 

3. Körpersprache

 

 

Status

 

Mit großen Schritten schreitet er voran. Ein US-Präsident repräsentiert die militärische Supermacht USA. Die Bürger dieses potenten Landes haben entsprechende Erwartungen; Selbstbewusstsein und Status gehören dazu. US-Präsidenten sind üblicherweise etwas dominanter, als andere Staatsoberhäupter. Das zeigt sich auch in der Körpersprache. Sie ist halt größer, er nimmt Raum ein, macht ausladende Gesten und erlaubt sich ein lebhaftes Minenspiel. Ja, er hat eine ausgeprägte Körpersprache. Wiederkehrende kraftvolle Gesten unterstreichen seine Aussagen und vermitteln Glaubwürdigkeit. Handkantenschläge, die bei ihm allerdings oft etwas weiblicher aussehen, weil er die Ellbogen nahe an den Körper drückt, sollen seine Aussagen verstärken. Das, und die aufrechte Körperhaltung signalisieren; ich habe keine Angst vor Konfrontationen, Widerstand ist zwecklos. Wer braucht schon vornehme Zurückhaltung? Mit solchem Quatsch halten wir uns nicht auf, das ist was für Looser. Habt euch nicht so! Und seine Körpersprache wirkt authentisch, vermutlich auch, weil er keinen Wert darauf legt sich zu verstellen, wie diese Warmduscher.

 

 

Rapport und Beziehungen

 

Immer wieder zeigt er seine Handflächen, um Offenheit und Ehrlichkeit zu vermitteln. Das ist eine freundliche Geste. Doch wo andere vorsichtiger sind, verwendet er den ausgestreckten Zeigefinger. Es wirkt wie eine Anklage, als würde er eine Pistole auf den Gegner richten. Na und!

Trump bleibt gerne am Rednerpult, wo andere Redner sich hervorwagen, um den Kontakt mit dem Publikum suchen. Er bleibt unverrückbar, zeigt Stärke und Kontrolle, statt Rapport und Beziehung zu fördern. Da gibt es nur Trump und alle anderen sind Publikum.

 

 

 

 

Fazit

 

Trumps Erfolg hat bestätigt, dass es sich lohnen kann, Aufmerksamkeit zu erzeugen, selbst wenn es keine nennenswerte Botschaft gibt. Viele B-Promis haben ihre Erfahrung damit gemacht, doch er hat es so bis ins Weiße Haus geschafft. Doch, je höher der Berg, desto tückischer der Pfad.

Wird er seine Macht dafür einsetzen, die eigenen Eitelkeit zu pflegen, richtet das weitere Schäden an. Haltung lässt sich leichter bewahren als wiedergewinnen. Er wird eine Menge Berater zur Verfügung haben. Dass er ihnen aufmerksam zuhört, erscheint aus gegebenen Gründen unwahrscheinlich. Vorgeschmack gefällig? In der MSNBC-Sendung Morning Joe hat er auf die Frage geantwortet, welche Berater er bei außenpolitischen Fragen nutzt; „Zunächst mal spreche ich mit mir selbst, denn ich habe ein sehr gutes Hirn und ich habe viele Dinge gesagt.“ und über die anderen Politiker in Washington sagt er; „Sie sind dumm. Nicht böse, aber dumm. Sie haben keine Ahnung.“ Na dann…

Es tut mir nicht leid, meine Antworten sind begrenzt. Sie müssen die richtigen Fragen stellen. Für eine Liebesbeziehung zwischen Trump und der Presse müsste ein Paartherapeut nun wohl eine Weile ziemlich strampeln. Drei sind einer zu viel; Trump hat ja ohnehin schon eine enge Beziehung zu Twitter. 140 Zeichen sind mehr als genug. Dort hat er sein Publikum. Und so erinnerte auch seine Sprachwahl sehr an den dort von ihm praktizierten Stil. Staatsmännisch war bisher anders. Er ist noch nicht einmal im Amt und gerät schon aus dem Gleichgewicht. Mal sehen, wer den zu erwartenden diplomatischen Schaden klein hält.

 

 

 

 

Nachsitzen?

 

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Obamologie: Was Redner wirklich von Barack Obama lernen können

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Barack Obama: Rhetorik und Körpersprache

 

Was Redner von Barack Obama lernen können. Mindestens 22 Tipps, von denen jeder Redner profitiert.

 

 

 

Überblick

 

 

 

 

 

Was Redner von Barack Obama lernen können

 

Thank you, everybody!

 

Am 10. Januar 2017 gab Barack Obama in Chicago seine offizielle Abschiedsrede als US-Präsident. Everybody have a seat: „Es war die größte Ehre meines Lebens, Euch zu dienen“, sagte er. Und „Wir sind noch nicht dort, wo wir hinwollen.“ Sein gesamter Auftritt vermittelte, dass ihm der Moment naheging. Was bleibt; befriedigend oder unbefriedigend, gerade so geschafft oder viel mehr als gedacht?

 

 

 

Zeit für einen rhetorischen Rückblick jenseits der Politik

 

 

Kraftvoller Start mit vielen Vorschusslorbeeren

 

Bejubelt von den Massen und als Vorbild für Ausstrahlung, Rhetorik und Visionen in den Himmel gehoben. Von Charisma und magnetischer Anziehungskraft wurde bei Barack Obama gesprochen. Es wohnte all dem der Zauber des Anfangs bei. Endlich ein neuer John Fitzgerald Kennedy, riefen einige Stimmen. Davon inspiriert katapultierten ihn die Massen an die Macht.

2009 gab es sogar vorab den Friedensnobelpreis. Obama war wohl selbst überrascht darüber und sagte:

Ich werde diesen Preis als einen Auftrag zum Handeln akzeptieren.

 

Hohe Erwartungen führen zu hoher Fallhöhe, wenn es scheitert. Und die Latte lag hoch, sehr hoch.

 

 

 

Was ist geblieben?

 

Wenn die Voraussetzungen stimmen, ist Charisma oft eine typische Anfangserscheinung religiöser oder politischer Persönlichkeiten, die schnell dem Alltag weicht. Was ist geblieben von der Aufbruchstimmung und der Wahrnehmung des Barack Obama? Was gibt es hier für Redner zu lernen?

 

 

Ursachenforschung

 

Was genau ist der Grund, weshalb sich so viele Menschen mit Barack Obama identifizierten? Hier bei uns konnten wir ihn ja noch nicht einmal wählen. Und doch bewegte er so viele Menschen in aller Welt.

These: Menschen lieben es ihre Sehnsüchte auf Persönlichkeiten zu projizieren, die signalisieren, sich für sie einzusetzen.

 

 

Rückblick: Barack Obama bei seinem Besuch in Berlin am 24. Juli 2008

 

Werfen wir die Zeitmaschine an. Mehr als 200.000 Berliner waren am 24. Juli 2008 zur Siegessäule gekommen, um Barack Obama reden zu hören. Schließlich waren damals viele Hoffnungen mit dem Präsidentschaftskandidaten der Demokraten verbunden. Entsprechend groß waren Neugier und Zuspruch. Außerdem war das Ansehen des damaligen US-Präsidenten Georg W. Bush besonders negativ in der deutschen Bevölkerung. Entsprechend groß waren die positiven Projektionen, die Erwartungen, dass mit Barack Obama vieles besser werden würde.

 

 

Barack Obama bei seinem Besuch in Berlin am 24. Juli 2008:

 

This city of all cities knows the dream of freedom …
The fall of the Berlin wall brought new hope.
But that very closeness has given rise to new dangers — dangers that cannot be contained within the borders of a country or by the distance of an ocean …
The greatest danger of all is to allow new walls to divide us from one another.
The walls between old allies on either side of the Atlantic cannot stand.
The walls between the countries with the most and the least cannot stand.
The walls between races and tribes, natives and immigrants, Christian and Muslim and Jew cannot stand.
These are now the walls we must tear down.

Bei seiner Rede wirkte er jung, motiviert und die Begeisterung, die von ihm ausging, war ansteckend.

Lasst uns mit einem Blick auf die Zukunft, mit Zuversicht in unseren Herzen uns an diese Geschichte erinnern, dem Schicksal antworten und die Welt erneuern.

Er verbreitete eine ansteckende Aufbruchstimmung, eine Verheißung! So dauerte es nicht lange, bis zahlreiche Autoren ihn als rhetorisches Vorbild bezeichneten und in ihren Büchern vermarkteten. 
Das Podest, auf das er gehoben wurde, war sehr hoch.

 

 

Rhetorischer Betrachtung: Was gibt es für Redner zu lernen?

 

Es sind nun ein paar Jahre ins Land gegangen. Zeit für einen rhetorischen und praktischen Rückblick.

Obama und seine Redenschreiber haben seit seiner ersten Präsidentschaftskampagne einige zentrale und ausgefallene rhetorische Instrumente wieder und wieder erfolgreich eingesetzt. Jenseits der Politik, was ist geblieben von der Begeisterung, was lässt sich vom Redner Barack Obama tatsächlich lernen?

 

 

1. Ausstrahlung

 

Ich liebe Politiker auf Wahlplakaten. Sie sind tragbar, geräuschlos und einfach zu entfernen.

Loriot

 

 

Was für eine Ausstrahlung vermittelt Obama? Auch hier kommt es darauf an, wer gefragt wird.

Seine Unterstützer haben ihn an die Macht gebracht, viel Hoffnung, mit ihm verbunden. Erwartungen sind ein zweischneidiges Schwert; Projektionen und übersteigerte Erwartungen an Veränderungen lassen sich nicht durch eine Person realisieren, nicht jede Versprechung erfüllen. Für seine Anhänger verkörperte Barack Obama Lebensfreude, weshalb sie mit ihm eine Zukunft sahen. So hilfreich das bei der Wahl war; wer derartig auf ein Podest gehoben wird, hat wenig Spielraum nach oben. Es ist dann eher eine besonders große Fallhöhe. Und die macht die Ankunft im Alltag härter.

So hat es auch nicht lange gedauert und die jugendliche Art war mit der Zeit im Amt seltener zu sehen. Es hat Spuren hinterlassen. Die Faszination, die von ihm ausging, hat sich relativiert.

 

 

 

2. Mission

 

Die Zukunft, die wir wollen – Möglichkeiten und Sicherheiten für unsere Familien; ein gestiegener Lebensstandard und ein nachhaltiger, friedlicher Planet – all das liegt in unserer Reichweite. Aber das wird nur passieren, wenn wir zusammenarbeiten. … Das wird nur passieren, wenn wir unsere Politik in den Griff bekommen. Eine bessere Politik muss nicht heißen, dass wir uns in allem einig sind. Es ist ein großes Land mit unterschiedlichen Regionen, Ansichten und Interessen. Das ist auch eine unserer Stärken.

 

Redner wachsen mit ihren Herausforderungen. Wer sich als Redner der Öffentlichkeit stellt, sollte mit Recht davon überzeugt sein, dass es dafür eine Berufung gibt. Diese Überzeugung haben nur wenige, aber alle, die herausragend sind. Die persönliche Haltung entscheidet mehr als alles andere über den Redeerfolg. Und er wirkte meist, als hätte er sichtlich Spaß auf seiner Mission. Er verzichtete oft auf ein Pokerface, sondern hatte den Mut zu lächeln und Humor an den Tag zu legen. Seine Begeisterung steckte viele an. Die Revolution ist machbar, Herr Nachbar.

 

Die Welt hat sich verändert. Und deshalb müssen auch wir uns ändern.

 

 

 

3. Körpersprache

 

Obama hat die Körpersprache eines Siegers. Sein Körper strahlt Kraft, Elan und Vitalität aus. Er gestikuliert viel, doch es wirkt nicht hektisch, sondern er überträgt eine unglaubliche Ruhe auf seine Zuhörer. Diese Ruhe unterstreicht er durch große Gesten, einen sicheren Augenkontakt und dynamischen, entschlossenen Gang. All das sagt, ich kenne meinen Weg. Und das auch, obwohl ihm häufiger die Last des Amtes anzusehen ist.

 

 

 

4. Emotionen

 

Wenn Brandt, Wehner oder Geisler ans Pult getreten sind, da hab‘ ich mein Essen stehen lassen. Wenn sonst jemand ans Pult tritt, koch ich mir was.

Dieter Hildebrandt

 

Was uns emotional nicht berührt, wird uns nie erreichen. Emotionen verankern Botschaften tiefer. Erst was uns emotional bewegt, erlangt unsere Aufmerksamkeit.

Vor allem die Tatsache, dass Obama immer wieder Gefühle zeigt und eigene Überzeugungen zum Vorschein kommen lässt, verstärkt seine Wirkung als integre Person, die in gewisser Weise über den Dingen steht.

5. Knackiger Slogan und ein Motto

 

Die beiden zentralen Motive bei Obama waren Hoffnung und Veränderung. Das packte er in den Slogan Yes, we can! Es dauerte nicht lange, bis er sich einprägte. Bei John Fitzgerald Kennedys Rede, 1963 vor dem Schöneberger Rathaus, ist, im Gegensatz zum Rest der Rede, noch immer „Ich bin ein Berliner!“ im Gedächtnis geblieben.

Da die wenigsten Redner hierzulande mit einem ähnlichen Budget gesegnet sein dürften, gilt es die Idee für sich anzupassen; packen Sie die emotionale Kernbotschaft Ihrer Rede in wenige Worte und wiederholen Sie diese an geeigneten Stellen. Angela Merkel hat es mit der Google-Übersetzung versucht, aber ihr „Wir können das!“ erntete wenig Begeisterung. Etwas mehr Gedanken dürfen Sie sich ruhig machen.

 

 

 

6. Einfache Kernbotschaften

 

Jawohl, wir können!

 

Reden, die Obama hält, sind darauf ausgerichtet, die große Masse zu begeistern. Sie sind einfach gestrickt, weil sie mit ihrer Kernbotschaft im Kopf hängen bleiben sollen. Es gibt keine komplizierte Argumentation, bei der der Kopf raucht.

 

 

 

7. Klare Strukturen

 

Obamas Beiträge sind strukturiert und durch eine klare Reihenfolge sind seine Gedanken gut nachvollziehbar.

 

 

 

8. Kurze und verständliche Sätze

 

Wahlen allein machen noch keine Demokratie.

 

Viele seiner Sätze sind kurz und verständlich, ohne dabei zu schlicht zu wirken. Die Wortwahl klingt selbst bei der Verwendung von Telepromptern oder Manuskriptreden natürlich. Dadurch wirkt er sehr dynamisch. Seine Redenschreiber folgen dem Grundsatz; schreiben fürs Reden, nah an der Umgangssprache, um so ein möglichst breites Publikum anzusprechen.

 

 

 

9. Bescheidenheit und Anerkennung für andere

 

Wer am meisten Macht hat, muss am demütigsten sein.

 

Für einen US-Präsidenten war Barack Obama durchaus zurückhaltend. Bei Staatsbesuchen machte er es zwar seinen früheren Kollegen oft gleich, aber er hielt sich auch mitunter zurück. Wobei auch das relativ ist, schließlich erwarten viele seiner Landsleute, dass er eine Supermacht repräsentiert. Da fällt die Körpersprache von Hause aus oft etwas kerniger aus.

Sehr oft würdigte er gleich am Anfang andere Personen und signalisiert damit eigene Bescheidenheit und Anerkennung für die Beiträge anderer. Das kommt gut an.

 

 

 

10. Storytelling

 

Spannende Geschichten werden gerne gehört und die erzählte er. In seinen Geschichten finden sich die Argumente seiner Gegenspieler wieder, die er bei dieser Gelegenheit gleich entkräftet.

 

 

 

11. Gemeinsamkeiten betonen

 

There’s not a liberal America and a conservative America. There’s the United States of America. There’s not a black America and white America and Latino America and Asian America; there’s the United States of America.

 

Obama bewegt sein Publikum, indem er es direkt anspricht und aus dessen Sicht heraus argumentiert. Auf diese Weise steigert er die Bereitschaft des Publikums zum Zuhören, Mitdenken und Mitfühlen. Er macht sich so zum Anwalt der Zuhörer. Dabei schließt er alle Zuhörer in seine Rede ein, indem er fast immer in der Wir-Form spricht, beziehungsweise das Publikum direkt anspricht.

 

Wir lassen uns die falsche Wahl zwischen Sicherheit und unseren Idealen nicht aufzwingen.

 

Wir sind eine Nation, wir sind ein Volk, und unsere Zeit für Veränderungen ist gekommen.

 

Ich spreche heute Abend nicht als Präsidentschaftskandidat zu Ihnen, sondern als Bürger – als stolzer Bürger der USA, und als Weltbürger.

 

Gemeinsamkeiten herauszustellen, ist sehr wirksam, um eine tragfähige Basis für eigene Anliegen zu schaffen. Er betont deswegen gemeinsame Erfahrungen, Werte, Ziele, Wurzeln und Verantwortung,

 

 

 

12. Geschichtsbewusstsein

 

Mahatma Gandhi meinte; „Die Geschichte lehrt die Menschen, dass die Geschichte die Menschen nichts lehrt“. Doch Obama zeigt sich trotzdem geschichtsbewusst, um dann an ein aktuelles Thema anzuknüpfen. Das vermittelt Sicherheit durch Kontinuität und dass es gründliche logische Überlegungen gibt.

 

 

 

13. Wiederholte Wiederholungen und weitere rhetorische Stilmittel

 

Steter Tropfen höhlt den Stein. Mit rhetorischen Wiederholungen bringt Obama Rhythmus in die Rede und verstärkt die Aussage. Überhaupt befinden sich in seinen Reden viele rhetorische Wirkfiguren. Seine Redenschreiber haben ihr Handwerk gelernt.

 

 

 

 

14. Humor

 

Manche sagen, ich bin zu arrogant. Ich habe ein großartiges Mittel dagegen gefunden: Meine Umfragewerte.

 

Er liefert eine angemessene Prise Humor. Der Musik-Sender MTV (ja, ich wusste auch nicht, dass es den noch irgendwo gibt!) hat Barack Obama im vergangenen Jahr zum coolsten Präsidenten gekürt, der sich immer wieder mal Gags, witzige Sprüche und ungewöhnliche Aktionen erlaubt – zur großen Freude der politikverdrossenen Jugend.

 

 

 

15. Bildhafte Sprache und Metaphern

 

Diese Stadt (Berlin) kennt den Traum von Freiheit.

 

Obama bevorzugt eine bildhafte Sprache, mit Bildern emotionalisiert er und die Botschaften bleiben länger in der Erinnerung.

 

 

 

16. Hoffnung vermitteln

 

Anstatt nur im Problemzustand zu baden, vermittelt Obama Hoffnung.

 

Lasst uns wenigstens den Weltuntergang verhindern.
Es ist fünf vor zwölf und wir haben nicht mehr viel Zeit.

 

Kleingeist hat uns in die gegenwärtige Lage geführt.

 

Dies ist nicht der Beginn vom Ende der Krise, sondern das Ende vom Beginn.

 

 

 

17. Menschlichkeit

 

Zu den wenigen Dingen, die ich in meiner Präsidentschaft bedaure, gehört, dass Verbitterung und Verdächtigungen zwischen den Parteien schlimmer geworden sind und nicht besser. Es gibt keinen Zweifel daran, dass Präsidenten mit der Begabung von Lincoln oder Roosevelt die Kluft besser überwunden hätten. Und ich garantiere, dass ich weiterhin versuchen werde, besser zu sein, so lange ich dieses Amt habe. Aber das kann nicht meine Aufgabe – oder jedes Präsidenten – allein sein.

 

Obama präsentierte sich menschlich und durchaus auch verletzlich. Wer bereit ist, die eigenen Schwächen einzugestehen, beweist die Fähigkeit zur realistischen Einschätzung und den Respekt für die Erfahrungen der Zuhörer.

 

Egal wie hoch unser Arbeitspensum und wie wichtig unsere Titel sind – keiner von uns ist perfekt und es hilft uns, wenn wir auf den Schöpfer hören.

 

 

 

18. Zielgruppenorientierung

 

Obama redet nicht ins Blaue hinein. Er hält seine Reden für Zielgruppen, über die er sich vorher Gedanken macht. Sie müssen dabei nicht dem direkten Publikum entsprechen. Deren Sprache und sonstigen Eigenarten berücksichtigt er und richtet seinen gesamten Auftritt darauf aus.

 

 

 

19. Stimmeinsatz

 

Obamas tiefe Stimme weckt Vertrauen. Schon mit seiner Stimme demonstriert er Selbstsicherheit und er überträgt diese Sicherheit auf sein Publikum. Er spricht langsam, betont, kann mit Stille umgehen und setzt bedeutungsschwangere Pausen wirkungsvoll ein. Wie auch immer wir es nennen, er betont einzelne Worte, wie es in der hypnotischen Rhetorik gelehrt wird. Bei wichtigen Passagen wird er lauter, baut Spannung auf wie im Konzert bei einem Crescendo. Das nimmt das Publikum mit, erzeugt einen dramatischen Moment.

 

 

 

20. Authentizität

 

Das Thema Authentizität von Rednern erhitzt die Gemüter der Rhetorikexperten, weil sie unterschiedliche Definitionen zugrunde legen. Sie sind sich jedoch einig darüber, dass alles, das an eine Maske erinnert, schadet. Barack Obama wirkt jedenfalls so, als wenn er meint, was er sagt. Das macht die Identifikation leichter und fördert die Glaubwürdigkeit.

 

 

 

21. Referenzen

 

Obama zitiert in seinen Reden Aussagen anderer Menschen. Besonders gut gelingt ihm das, wenn er Äußerungen berühmter Amerikaner, Lebensgeschichten und Anekdoten mit den alltäglichen Erlebnissen der US-Bürger verknüpft. Dadurch erhöht es seine Glaubwürdigkeit und es lässt ihn dabei auch noch auf sympathische Weise bescheiden wirken.

 

 

 

22. Starkes Finale mit Appell

 

Viele Redner packen allen Aufwand in den Inhalt der Rede und am Ende geht ihnen die Luft aus. Obama denkt bei seinen Reden daran, sie mit Handlungsaufforderung abzuschließen. Wer sät, sollte auch ernten.

 

Jetzt ist der Moment, an dem wir gemeinsam diesen Planeten retten müssen.

 

 

 

Fazit

 

Über sein politisches Erbe mögen andere diskutieren. Politik ist die Kunst des Möglichen, meinte Otto von Bismarck. So oder so: Aus meiner Sicht haben Barack Obama und seine Redenschreiber ihren guten Ruf durchaus verdient. Von seinen Auftritten lässt sich für Redner eine Menge lernen. Den rednerischen Erfolg auf seine Berater zu schieben ist nicht ganz fair, da viele andere Politiker in aller Welt trotz Berater meist nur durchschnittliche und noch häufiger schauerliche Reden liefern. Gerade Politiker sind oft beratungsresistent. Auch beim Reden gilt; Talent hilft!

By, bye Mister President!

 

 

 

 
 
 
 

Everybody have a seat: Die Abschiedsrede

 

 

 

Unterstützung bei Reden und Präsentationen

 

Du bereitest eine Rede, Präsentation, einen Vortrag oder einen anderen wichtigen Auftritt vor?

Dann können wir unmittelbar an deinem konkreten Auftritt arbeiten.

Je nach Anliegen geht es beispielsweise um:

  • Ziel und Kernbotschaft

  • Struktur und Dramaturgie

  • Argumentation und Storytelling

  • Sprache und Formulierungen

  • Folien und Visualisierung

  • Stimme, Körpersprache und Präsenz

  • Lampenfieber und Auftrittssicherheit

  • kritische Fragen und Einwände

  • einen realistischen Probelauf mit professionellem Feedback

Dabei geht es weniger darum, möglichst viele Präsentationstechniken einzusetzen.

Entscheidend ist, was zu dir, deinem Publikum und deinem konkreten Ziel passt.

Seit vielen Jahren verbinde ich dabei Erfahrungen aus Rhetorik und Kommunikation mit Psychologie, Marketing und persönlicher Wirkung.

 

 

 

Wenn ein konkreter Auftritt bevorsteht

 

Wir können deine tatsächliche Rede oder Präsentation gemeinsam vorbereiten und gezielt weiterentwickeln.

→ Vorbereitung wichtiger Reden und Präsentationen

Wenn von deinem Auftritt besonders viel abhängt – beispielsweise bei einer Vorstandspräsentation, einem wichtigen Pitch, einem Auftritt vor Investoren oder einer vergleichbaren Situation mit hoher Tragweite – gibt es dafür einen eigenen Rahmen.

→ Executive Präsentationsvorbereitung

 

 

 

Probelauf und professionelles Feedback

 

Du möchtest vor dem tatsächlichen Auftritt erfahren, was bereits trägt und wo gezielte Veränderungen mehr Wirkung ermöglichen?

Ein Probelauf macht genau das sichtbar.

→ Feedback, Analyse und Optimierung für Reden und Präsentationen

 

 

Wie wirkst du in Reden und Präsentationen, was sind deine Potenziale, was lässt sich optimieren?

 

Wie überzeugend bist du und deine Botschaften in Reden und Präsentationen?
Wie wendest du die 118+ wichtigsten Präsentationstechniken an?
Wie schaffst du es, dass du und deine Botschaften überzeugen?

Seit 1998 analysiere ich systematisch Reden. Nach Tausenden von ausgewerteten Reden und Präsentationen kann ich dir sehr genau sagen, was bei welchem Publikum wie wirkt. Lass mich deine Rede und deinen Auftritt analysieren. Anschließend gebe ich ein professionelles Feedback, das dich weiterbringt. Du bekommst aussagekräftige Rückmeldungen und konkrete Empfehlungen und für konkrete Reden die Impulse, die du brauchst, um zu überzeugen. Profitiere von meinen Erfahrungen aus Psychologie, Marketing und Kommunikationswissenschaften.

Interessiert? Dann findest du hier die Informationen zum Feedback mit Optimierungsempfehlungen für Reden und Präsentationen.

 

 

 

P.S.

 

Was lässt sich von Barack Obama lernen?

Artikel zu Reden und Präsentationen

Präsentationen & Gespräche: Warum persönliche Wirkung zählt

KI perfektioniert Bilder, Texte und Präsentationen. Umso wertvoller werden glaubwürdige Präsentationen und Gespräche, die Kompetenz erlebbar machen.

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Ob Produktpräsentation oder Angebotspräsentation für Beratung und andere Dienstleistungen, den Pitch für ein lohnenswertes Projekte,…

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Irgendwie darf jede Rede unterhaltsam sein, es kommt auf Anlass und Publikum an. Bei einigen Reden steht der Unterhaltungswert jedoch im Mittelpunkt. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Ihnen unterhaltsame Redebeiträge gelingen und was dabei zu beachten ist.

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Wahlen allein machen noch keine Demokratie. Barack Obama

Autor: Karsten Noack 
Erstveröffentlichung: 2. Januar 2017
Überarbeitung: 17. März 2019
AN: #43338

Keine Macken, keine Kanten, keine Narben? Stehen Sie zu Ihren Erfahrungen: Gorillas und Gesichter die Geschichten erzählen

Stehen Sie zu Ihren Erfahrungen: Gorillas und Gesichter die Geschichten erzählen

Keine Macken, keine Kanten, keine Narben?

Gorillas und Gesichter die Geschichten erzählen

Charakter und Persönlichkeit

 

Auf nach Berlin-Kreuzberg ins Ratibor zu den Gorillas. Dieses Ensemble gehört für mich schon lange zu den besten Improschauspielern – und ich habe viele gesehen.

Gorillas in Kreuzberg

 

Heute geht es nach der Arbeit noch nach Kreuzberg ins Ratibor zu den Gorillas. Dieses Ensemble gehört für mich schon lange zu den besten Improschauspielern – und ich habe viele gesehen. Ich habe Glück mit der Besetzung; auf der Bühne Billa Christe und Barbara Klehr. Das sind Persönlichkeiten, denen nicht nur ihre Bühnenerfahrung anzusehen ist. Der dritte in der Runde ist Michael Wolf. Eine lebhafte Mimik haben alle drei, doch bei ihm spricht schon die Mimik Bände, lange bevor er den Mund aufmacht. Ein Gesicht, das voller Geschichten steckt. Die Vorstellung, ihn gegen einen aalglatten Seifenopernschauspieler zu wechseln, würde das Erlebnis ruinieren. Würden die Schauspieler hier eine Botox-Flatrate bekommen, wäre das Programm wohl bald uninteressant. Die Mimik würde einfach fehlen. Diese drei Improschauspieler können selbst Unfug so spielen, dass deren Persönlichkeit noch für Tiefgang sorgt. Viele starke Menschen hatten keine einfache Vergangenheit. Aalglatt ist möglicherweise niedlich, nur halt auch schnell langweilig.

So hat mich dieser Besuch im Ratibor-Theater erneut zu einem Artikel inspiriert: Was machst du mit den Spuren in deinem Gesicht?

 

 

 

 

ImproRhetorik™

 

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass sie mich inspirierten. Die Gorillas sind mit daran schuld, dass sich vor einigen Jahren aus einer zarten Idee die heutige ImproRhetorik™ entwickelte. Auch, wenn sich ImproRetorik anderen Prinzipien und Zielen widmet, gibt es einige Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Kreativität. Der größte Unterschied ist, dass bei der ImproRhetorik™ zuerst das Ergebnis, also das Ziel gewählt wird und dann der Weg dorthin beschritten wird. Das wäre beim Improtheater ein grober Verstoß gegen die Grundsätze. Und gesungen wird bei der ImproRhetorik™ auch nicht. Wer mich kennt, der weiß, dass es so besser ist. Bei der ImproRhetorik™ geht es auch nicht in erster Linie um den Unterhaltungswert, sondern um die Überzeugungskraft. Auch da geht, genauso wie beim Improtheater, ohne unterstützende Körpersprache nichts.

 

 

 

 

P.S.

 

Ein Besuch bei den Gorillas lohnt sich. Meist sind sie im Ratibor-Theater in der Cuvry-Straße in Kreuzberg. Die Gegend kann mitunter recht furchteinflößend sein und die Umgebung zum Görlitzer Park zu meiden ist nicht die schlechteste Idee. Ansonsten habe ich den Weg dorthin noch nie bereut. Falls Sie sich ein eigenes Bild machen wollen…

Anschrift Ratibor Theater:
Cuvrystr. 20
Berlin-Kreuzberg
Tel. (030) 618 61 99
U-Bhf. Schlesisches Tor (U1)
www.ratibortheater.de

Homepage der Gorillas:
www.die-gorillas.de

 

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Artikel

Spontaneität: Flexibel reagieren und souverän im Moment handeln

Spontaneität ist mehr als Impulsivität. Erfahre, wie Präsenz, Vorbereitung und innere Klarheit helfen, flexibel und souverän zu reagieren.

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Die Artikel sind meist kurze Auszüge der umfangreicheren Kursunterlagen, die Teilnehmende im entsprechenden Gruppen- oder Einzeltraining oder im Coaching erhalten.

Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 30. Oktober 2016
Überarbeitung: 30. Januar 2020
Englische Version:
AN: #241
K: CNB
Ü:

12 Tipps, wie du durch Körpersprache Vertrauen förderst

12 Tipps, wie du durch Körpersprache Vertrauen förderst

Was weiß das Bauchgefühl schon über Vertrauen? Kommen Zweifel, geht das Vertrauen.

 

Wie Sie durch Körpersprache Vertrauen fördern oder auch nicht

Mit Körpersprache Vertrauen fördern

 

Irgendetwas stimmt da nicht. Nur was ist die Ursache dieses komischen Gefühls in der Magengegend? Was weiß das Bauchgefühl schon über Vertrauen? Und sind Sie sich sicher, dass Ihre Körpersprache Vertrauen fördert? Worauf lohnt es sich zu achten?

Übersicht

 

 

 

 

Was weiß das Bauchgefühl schon über Vertrauen?

 

Irgendetwas stimmt da nicht. Nur was ist die Ursache dieses komischen Gefühls in der Magengegend? Am Gesprächspartner kann es doch nicht liegen oder doch? Der hat einen renommierten Namen und besitzt ein bekanntes Unternehmen. Es wird wohl eher an der einen Tasse Kaffee zu viel liegen, denn so ein lukratives Angebot hat doch keine Zweifel verdient.

Später zeigt sich dann; es war doch nicht so gut, das Bauchgefühl zu ignorieren. Für die Entscheidungsfindung lohnt es sich solchen Hinweisen auf den Grund zu gehen und die Ursachen genauer zu betrachten. Das erspart Ihnen so manche unangenehme Erfahrung. Ein mindestens genauso wichtiger Grund sich mit den Mechanismen zu beschäftigen; auch ehrliche Menschen verhalten sich mitunter unabsichtlich so, dass sie Misstrauen fördern, obwohl es dazu keinen Anlass gibt.

Ich zeige Ihnen, worauf es sich lohnt zu achten. Das hilft Ihnen dabei, sich und Ihr Angebot überzeugend zu präsentieren.

 

 

 

Freund oder …?

 

Weshalb vertrauen wir einer Person, einer anderen hingegen nicht? Was steckt körpersprachlich dahinter? Woran meinen wir die Vertrauenswürdigkeit eines Menschen erkennen zu können?

Stellen Sie sich vor, Sie haben gerade mehrere neue Bekanntschaften gemacht. Bei dem einem beschleicht Sie schnell ein mulmiges Gefühl im Bauch, während Sie sich mit einer anderen Person nach wenigen Augenblicken vertraut fühlen und ihr deshalb entsprechendes Vertrauen entgegenbringen.

 

 

 

Was löst dieses Misstrauen aus?

 

In der Praxis gibt es einige Signale, die sich negativ auf das Vertrauen auswirken.

 

 

Vertrauen reduzierende Signale der Körpersprache

 

Zu den Misstrauen weckenden körpersprachlichen Signalen gehören:

  • Unsicher umherstreifender Blick
  • Handflächen oder gar Hände verbergen
  • Berühren des eigenen Gesichtes
  • Fehlender Blickkontakt
  • Überkreuzen der Arme und andere Versionen geschlossener Körperhaltung
  • Falsches Lächeln
  • Zurückweichen im Stand oder Zurücklehnen in Stuhl oder Sessel
  • Nervöse Bewegungen
  • Inkongruenz von Aussage und Körpersprache

 

Und all die als Hinweise für Lügen geltenden Verhaltensweisen gehören ebenfalls dazu. Ob berechtigt oder nicht; es hat Konsequenzen, wenn wir mit unserer Körpersprache Misstrauen erwecken.

 

 

Die Menge macht das Gift

 

Das vereinzelte Auftreten eines dieser Signale bleibt oft ohne negative Auswirkungen, bis sich die Signale häufen und sich wiederholen. Es handelt sich um Signale, die auch eine wesentliche Rolle beim Statusverhalten spielen. Berührungen des eigenen Gesichtes gehören beispielsweise zu den Tiefstatus-Signalen, während Zurücklehnen eher als Hochstatus-Signal gilt. Auch Inkongruenz ist daran beteiligt, weshalb solche Signale in Kombination Misstrauen auslösen.

 

 

 

Und nun?

 

Die gute Nachricht: Solche Signale basieren auf Verhaltensgewohnheiten und können als solche verändert werden. Und es lohnt sich unnötige und erschwerende Muster abzulegen, da Vertrauen in vielen Bereichen zu den notwendigen Voraussetzungen gehört.

 

 

 

12 Tipps, wie du durch Körpersprache Vertrauen förderst

 

Wer Vertrauen fördern will, unterlässt besser die entsprechenden Signale, die, selbst wenn sie nicht so gemeint sein mögen, Misstrauen wecken. Offenheit lässt sich sowohl verbal als auch nonverbal an den Tag legen. Entsprechend gilt es vorzugsweise eine offene und zugewandte Körpersprache zu pflegen. Also weder Arme noch Beine überkreuzen und nichts vor dem Körper halten. Die Hände und noch besser die Handflächen zu zeigen wirkt positiv. Ansonsten gilt der klassische Hinweis: Wir vertrauen am ehesten Menschen, die uns ähnlich sind. Vertrauen erweckend ist es deshalb beispielsweise Tonfall, Gestik und Mimik dem Gegenüber anzupassen. Wobei dabei wichtig ist authentisch zu bleiben. Wer es übertreibt, weckt stattdessen Argwohn.

 

 

 

1. Handhaltung

 

Besonders, wenn Menschen aufgeregt sind, wissen sie meist nicht, was sie mit ihren Händen anstellen sollen. Als Folge werden diese oft in den Hosentaschen versteckt oder einfach vor der Brust verschränkt. Hände in den Hosentaschen wirken jedoch weder interessiert noch sicher. Verschränkte Arme werden als Abwehrhaltung interpretiert. Beides ist keine sonderlich gute Voraussetzung für ein Vertrauen erweckendes Gespräch.

 

 

 

2. Händedruck und Begrüßung

 

Bei Begrüßungen kommt es sehr häufig zu einem Handschlag. Der perfekte Händedruck ist fest, dennoch sehr angenehm. Nein, es geht nicht darum die Hand des Gegenübers zu zerquetschen.

Wichtig: während der Begrüßung dem Gegenüber in die Augen blicken. Wer in diesem Moment wegschaut, wirkt respektlos, verschämt und könnte etwas im Schilde führen. Ein offener Blick ins Gesicht des anderen und ein freundliches Lächeln öffnen Türen.

 

O schaudre nicht!
Lass diesen Blick.
Lass diesen Händedruck dir sagen,
was unaussprechlich ist.

Johann Wolfgang von Goethe

 

 

 

3. Gemeinsamkeiten

 

Wenn sich zwei Menschen sympathisch sind, passen sie unbewusst ihre Bewegungen und ihre Körperhaltung aneinander an. Das können Sie auch zur Einstimmung nutzen, um das Vertrauen zu fördern. Beispielsweise können Sie sich, wenn sich Ihr Gesprächspartner leicht nach vorn lehnt, ebenfalls leicht nach vorn lehnen. Sie können Ihre Stimme, Ihre Gesten, Ihre Körperhaltung und viele andere Verhaltensweisen, an die des anderen angleichen.

Achtung: Bitte berücksichtigen Sie, dass Sie die andere Person auf angemessene Weise spiegeln und nicht imitieren oder ins Lächerliche ziehen. Sie spiegeln die Körpersprache aus Respekt vor der Person und der Kommunikation, um so eine tiefere Bindung herzustellen. Bleiben Sie dabei in Ihrer Komfortzone und authentisch.

 

 

 

4. Ruhe und Gelassenheit

 

Wer aufgeregt ist produziert Adrenalin. Das macht es schwerer ruhig zu sitzen. Wer die gesamte Zeit aufregt herumzappelt, tut sich und der eigenen Glaubwürdigkeit keinen Gefallen. Ruhe und Gelassenheit färbt hingegen ab und wirkt auf die Umgebung.

Gehen Sie locker und entspannt in Ihre Gespräche, auch hinsichtlich der Körpersprache. Vermeiden Sie Druck, geben Sie anderen angemessenen Raum, anstatt zu versuchen, augenblicklich die Kontrolle zu übernehmen.

 

 

 

5. Körperausrichtung

 

Positionieren Sie Ihren Körper so, dass die Haltung Ihre gewünschte Wirkung unterstützt. Widmen Sie Ihrem Gesprächspartner die volle Aufmerksamkeit und wenden Sie sich ihm zu. Wer mit dem Körper in eine andere Richtung wie dem Ausgang zeigt, wirkt als, wenn er auf dem Sprung und fluchtbereit ist.

 

Was jemand denkt, merkt man weniger an seinen Ansichten als an seinem Verhalten.

Isaac Bashevis Singer

 

 

 

6. Blick

 

Der Blickkontakt gibt Hinweise darauf, was der Gesprächspartner denkt. Wer ihn vermeidet, wirkt so, als wenn etwas verborgen werden soll oder sich jemand schämt. Wir vertrauen eher Menschen, mit einem angenehmen Augenkontakt

Ein natürlicher Blickkontakt hat allerdings nichts mit Starren zu tun und auch ein Kräftemessen mit Blicken dient nicht der Beziehungspflege.

Im Artikel Was verraten die Augen? erfahren Sie mehr darüber.

 

Vom starren Blick erstarrt des Menschen Blut.

Johann Wolfgang von Goethe

 

 

 

7. Offene Körperhaltung

 

Eine offene Körperhaltung wirkt vertrauenerweckender, als eine geschossene. Also solltest du lieber vermeiden Arme und Beine zu verschränken oder Gegenstände vor den Körper zu halten.

 

 

 

8. Kongruenz

 

 

Widersprüchliche Botschaften, bei denen verbale und nonverbale Hinweise sich nicht decken, reduzieren das Vertrauen. Kennzeichen für kongruentes Verhalten sind Übereinstimmungen der verbalen Äußerungen mit Gestik, Mimik, Tonfall etc..

 

 

 

9. Finger aus dem Gesicht

 

Sich selbst zu berühren kann sehr unterschiedlich gedeutete werden, je nachdem, wie es geschieht. Ein Griff an die Nase wird leicht als Hinweise auf eine Lüge gedeutet. Die Hand vor dem Gesicht halten manche für den Versuch eine Lüge zu vermeiden oder zumindest nicht dabei erwischt zu werden.

 

 

 

10. Lächeln

 

Lächeln ist ein häufig eingesetztes Signal, das Vertrauen herstellt und unsere Kooperationsbereitschaft fördert. Mit einem Lächeln gewinnt man mehr Freunde als mit einem langen Gesicht, glauben die Chinesen.

Ein einfaches Lächeln erfordert nur einen Muskel, den großen Jochbeinmuskel (lateinisch zygomaticus major). Der beginnt am Jochbogen und wirkt in die Mundwinkel hinein. Bei einem echten Lächeln werden zusätzlich die Augenringmuskeln (lat. orbicularis oculi) aktiviert. Es können sich bis zu 50 Gesichtsmuskeln an einem authentischen Lächeln beteiligen. Ein echtes Lächeln basiert auf einer entsprechenden Geisteshaltung. Dann geht es ganz leicht!

 

 

 

11. Augenhöhe

 

Kaum jemand mag es, wenn er von oben herab behandelt wird. Deshalb solltest du sich möglichst auf Augenhöhe begegnen.

 

 

 

12. Angemessener Abstand

 

Den meisten Menschen ist es sehr unangenehm, wenn jemand den sie nicht so gut kennen, ihnen bei einem Gespräch zu nahekommt. Die akzeptierte Nähe ist vom schon vorhandenen Vertrauen und anderen Faktoren bestimmt. Es empfiehlt sich, den persönlichen Freiraum anderer Menschen zu respektieren, auf sich selbst zu achten und das Gespür zu pflegen, was angemessen ist. Treten wir jemanden unerlaubt zu nahe und dringen in den persönlichen Intimbereich ein, macht uns das unsympathisch.

 

 

 

 

Empfehlung: Innere Haltung statt Schauspielunterricht

 

Die innere Einstellung sorgt dafür, dass sich der Körper entspannt und Sie natürlich wirken. Da kann ein oberflächliches Schauspieltraining nicht mithalten. Das wirkt sonst so glaubhaft wie in den Seifenopern im Nachmittagsfernsehen. Wenn es Ihrer persönlichen Haltung entspricht, werden Sie nicht nur freundlicher und zugänglicher wirken, sondern es auch tatsächlich sein. Sie brauchen sich nicht zu verstellen. Nicht förderliche Verhaltensweisen, die Sie sich angewöhnt haben, lassen sich durch Übungen in positive verwandeln. Ich zeige Ihnen gerne, wie Sie sich und Ihr Angebot überzeugend präsentieren.

Video

https://youtu.be/6tE6ceQhkiQ

 

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Kennen Sie weitere Verhaltensweisen, die Sie misstrauisch machen? Was machen Sie, wenn Sie Zweifel haben und hat sich Ihr Bauchgefühl mitunter als berechtigt erwiesen?

Umfrageergebnis

 

Gelassene Menschen wirken souveräner als hektische und getriebene.

%

Stimmt!

%

Stimmt nicht!

Ergebnis einer nicht repräsentativen Umfrage auf www.karstennoack.de (2017 n=861)

Wer andern gar zu wenig traut, hat Angst an allen Ecken; wer gar zu viel auf andre baut, erwacht mit Schrecken.

Artikel zum Thema Körpersprache

Interkulturelle Kompetenz: Menschen verstehen statt Schubladen pflegen

Interkulturelle Kompetenz braucht mehr als Länderwissen. Erfahre, wie Perspektivwechsel, Selbstreflexion und gute Fragen Missverständnisse reduzieren.

Handshake-Gates, nicht nur bei Donald Trump

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Das die bisherigen Handshake-Gates an die Tragweite der Watergate-Affäre heranreichen behauptet wohl kaum jemand. Doch gerade die eigenwilligen Begrüßungen des US-Präsidenten Donald Trump sind mittlerweile oft unter diesem Stichwort zu finden.

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Analyse Donald Trumps Körpersprache in Brüssel beim NATO-Gipfel

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Es ist natürlich reine Spekulation das Donald Trump mit seinem Verhalten etwas kompensieren möchte. Allerdings spricht so einiges dafür.

Ich schätze die meisten Menschen stimmen mir zu, dass Trump als Alpha Männchen betrachtet werden möchte. Und tatsächlich brauchen wir uns auch nur die Körpersprache anzuschauen, um sehr viele Hinweise darauf zu finden. Hier nun die Analyse der Körpersprache Donald Trumps beim Zusammentreffen mit Emmanuel Macron, Angela Merkel, Dusko Markovic bei all den Handschlägen während des NATO-Gipfels.

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Live in Sendungen Deutsche Welle mit Körpersprachenanalyse von Donald Trump in Brüssel

Live in Sendungen Deutsche Welle mit Körpersprachenanalyse von Donald Trump in Brüssel

Donald Trump hat sich am 26. Mai 2017 bei seinem Besuch in Brüssel erneut als verlässlicher Themenlieferant erwiesen. Für die Live-Sendungen Der Tag in Deutsch und The Day in Englisch kommentiere ich seine Körpersprache beim Zusammentreffen mit Angela Merkel, Emmanuel Macron, Duško Marković und anderen politischen Vertretern.

Und was sagt Donald Trumps Körpersprache zu all dem? Die Moderatoren fragen und ich antworte als Experte für Körpersprache. Erst auf Deutsch und später auf Englisch. Gesendet wird heute (26. Mai 2017) auf Deutsche Welle Deutsch ab 21:00 Uhr und Deutsche Welle Englisch ab 22:30 Uhr.

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Donald Trumps Körpersprache beim Zusammentreffen mit Xi Jingping

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Die Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und China ist zwiespältig. Nicht nur das Thema Kim Jong-un und Nordkoreas Atomwaffe sorgt für Gesprächsbedarf. Am 6. und 7. April trafen sich US-Präsident Donald Trump und der Staatspräsident von China Xi Jinping zum ersten Mal persönlich. Und zahlreiche Beobachter warteten auf erneute Eigenwilligkeiten des US-Präsidenten.

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Hat Trump Merkel im Weißen Haus vorgeführt?

Hat Trump Merkel im Weißen Haus vorgeführt?

Im Artikel Angela Merkel besucht Donald Trump im Weißen Haus hatte ich einige Anmerkungen zum Zusammentreffen von US-Präsident und Bundeskanzlerin am 17. März 2017 veröffentlicht. Wie zu erwarten sah ich keine körperspachlichen Hinweise für überschwängliche Sympathien. Auch erwähnte ich die Situation, bei der Donald Trump im Oval Office die Bitte ignorierte, Angela Merkel für die Fotografen nochmals die Hand zu reichen. Bei der Ankunft schüttelte er ihr noch – für seine Verhältnisse unerwartet normal – zur Begrüßung ihre Hand und dann das. Und schon hat die Welt einen weiteren Handschlagskandal!

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Angela Merkel besucht Donald Trump im Weißen Haus

Angela Merkel besucht Donald Trump im Weißen Haus

Es braucht zwei Tänzer für einen gelungenen Tango. So war es schon ein eigenartiges erstes Zusammentreffen von Angela Merkel und Donald Trump am 17. März 2017 im Weißen Haus. Skurril, verkrampft oder zumindest ungeschickt sind passende Adjektive. Zeitweise scheinen beide nicht zu wissen was sie miteinander anfangen sollen. Merkel betonte im Vorfeld zwar, sie wolle nach vorne schauen, doch während sie sich ihm häufig zuwendet, wendet er sich ebenso oft von ihr ab, so als wolle er eigentlich woanders sein. Überhaupt wirkt er in vielen Momenten angestrengt. Dabei verstecken beide recht wenig und verzichten auch auf die bei solchen Gelegenheiten oft demonstrativ zur Schau gestellter Nähe, so dass es bei beiden kaum eine körpersprachliche Maskerade aufzudecken gibt.

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Merkel trifft auf Trump oder andersherum: Grund zur Hoffnung?

Merkel trifft auf Trump oder andersherum: Grund zur Hoffnung?

13. März 2017, die Bundeskanzlerin Angela Merkel fliegt zum Antrittsbesuch zu US-Präsident Donald Trump. Während Sie heute elegant die Gangway am internationalen Flughafen Dulles hinuntergleiten wird, gehen ihr und vielen Beobachtern in Deutschland bestimmt so einige Gedanken durch den Kopf. Was wird sich daraus wohl ergeben? Der unkonventionelle Elefantentanz des neuen US-Präsidenten birgt zwar so manches Risiko, bringt aber auch so manche Chance mit sich. Nicht alles ist so offensichtlich, weder die Vor- noch die Nachteile.

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Donald Trumps erste Kongress-Rede

Donald Trumps erste Kongress-Rede

Am 28. Februar 2017 hielt US-Präsident Donald Trump seine erste Rede vor dem Kongress. Seitdem beschäftigen die Medien sich damit, weshalb es diesmal nicht zu unangemessenen Verhalten während des Auftritts kam. Nun ist zu lesen, dass die Rede vor den Abgeordneten viele verblüfft haben soll. Er sei so viel angemessener und ruhiger aufgetreten sein. Manche Journalisten beschrieben ihn anschließend gar als „sanft“, „mild“, „präsidial“ und als „plötzlich ganz Staatsmann“. Hat er sich wirklich geändert oder nur entschieden weniger anzuecken, um sich nicht zusätzliche eigene Probleme einzuhandeln? Was sagt seine Körpersprache?

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Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 2. Januar 2013
Überarbeitung: 8. Juli 2019
AN: #105149
K:
Ü:X

Rhetorik-Check und Körpersprache der Bundeskanzlerin Angela Merkel

Rhetorik-Check und Körpersprache: Analyse Bundeskanzlerin Angela Merkel

Ausstrahlung, Sprache, Redeaufbau, Mimik, Gestik, Stimme, Strategien,...
Rhetorik-Check: Analyse Bundeskanzlerin Angela Merkel

Rhetorik-Check und Körpersprache der Bundeskanzlerin Angela Merkel

 

Wie steht es mit Ausstrahlung, Sprache, Redeaufbau, Mimik, Gestik, Stimme, Strategien, … der Bundeskanzlerin Angela Merkel? Was gibt es zu lernen?

 

 

 

Überblick

 

 

 

 

Wir-schaffen-das!

 

Als Barack Obama „Yes we can!“ rief, lockte das zumindest für eine ganze Weile erstaunlich viele Menschen, auch außerhalb der USA, hinter dem Ofen hervor und verbreitete Aufbruchstimmung. Das merkelsche „Wir-schaffen-das!“ verursacht hingegen zurückhaltendere Reaktionen. Wie steht es um die rhetorischen Qualitäten der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel?

 

 

 

 

Rhetorik-Check: Analyse der Bundeskanzlerin Angela Merkel

 

Wer sich auf der Bühne der Öffentlichkeit bewegt und Einfluss hat, darf damit rechnen, dass jede noch so kleine Äußerung analysiert wird. Dass es da nicht nur wohlwollende Bewertungen gibt, liegt in der Natur der Sache. Unterschiedliche Interessen, Freund und Feind, Neider, …

Böse Stimmen verwenden Angela Merkel (Juli 1954 in Hamburg als Angela Dorothea Kasner geboren) als Beweisstück dafür, dass rhetorisches Handwerk nicht für eine Karriere in der Politik erforderlich ist. Stimmt das oder ist sie nur so clever sich unterschätzen zu lassen? Vielleicht steckt ja eine Strategie dahinter? Schließlich ist es ihr gelungen, am 10. April 2000 zur CDU-Bundesvorsitzenden gewählt zu werden und seit dem 22. November 2005 als Bundeskanzlerin an der politischen Spitze der Bundesrepublik Deutschland zu bleiben, wo andere schon längst wieder von der Bildfläche verschwunden sind. Dieser Artikel konzentriert sich auf die Rhetorik der Bundeskanzlerin und was sich daraus lernen lässt. Wie überzeugend präsentiert sie sich und ihr Angebot?

 

 

 

Körpersprache

 

Diese Bundesregierung ist die erfolgreichste Bundesregierung seit der Wiedervereinigung.

Angela Merkel am 21. November 2012 im Bundestag

 

Das ist doch mal eine deutliche Ansage, oder? Die Körpersprache der Wissenschaftlerin aus dem protestantischen Theologenhaushalt wirkt hingegen bescheiden und verzichtet auf viele Möglichkeiten, ihre verbalen Aussagen nonverbal zu unterstreichen.

Bei frühen Auftritte von ihr senkte sie selbst ihren Status, machte sich kleiner und zeigte Hinweise auf Unterwürfigkeit in der Körpersprache. Sie schaute ausweichend nach unten, der Kopf war leicht gesenkt und das ganze mit einem Blick der anderen (männlichen) Personen Zugeständnisse machte. Das war damals zu Zeiten von Kohl häufig zu sehen. Doch das ist Geschichte; so etwas habe ich bei ihr so schon lange nicht mehr gesehen, das hat sie abgelegt. Heute ist sie sich ihrer Position viel sicherer.

 

 

1. Mimik und Mikroexpressionen

 

Sie versucht sich zu kontrollieren, doch nicht alles lässt sich unterdrücken. Selbst ihre nur für Sekundenbruchteile im Gesicht aufflackernden Mikroexpressionen lassen sich ganz gut lesen. Ihre Mimik ist allerdings nicht sehr vielfältig, eher monoton und oft negativ. Besonders in der Mundgegend lassen sich häufig Hinweise erkennen. Hinweise für echte Freude (Ducenne-Lächeln) sind selten zu entdecken. Das kann leicht unsympathisch wirken.

 

 

2. Gestik

 

Die Merkel-Raute, mittlerweile nicht mehr so häufig zu sehen, entwickelte sich von der anfänglichen Irritation zum Running Gag und wurde schließlich zu einem Wiedererkennungselement. Selbst Barack Obama (externer Link zu n-tv) kennt sie. Diese Geste solltest du sich allerdings nicht von ihr abschauen. Obwohl das für Frau Merkel funktioniert hat, ist das eher ein negatives Beispiel für Gesten während einer Rede. Schade: Die Hände befinden sich dabei zwar zumindest oberhalb der Hüfte und somit im Einsatzbereich, kleben dann allerdings oft dort. Eine wünschenswerte körpersprachliche Unterstützung der Aussagen unterbleibt so. Nicht gut!

 

Beispiele:

 

 

3. Haltung

 

Auch ihre Körperhaltung bietet Interpretationsspielraum. Ihre Befürworter sehen in ihrer gebückten Haltung einen Hinweis für die schwere Last, die sie zu tragen hat. Andere betrachten sie als fehlende Aufrichtigkeit. Mehr Sicherheit strahlt eine aufrechte Haltung aus.

 

Beispiel:

 

 

 

4. Stimme

 

Ähm: Sie verzichtet auf Pausen und die damit verbundene positive Wirkung. Stattdessen ist sehr oft ein Äh zu hören. Wenn sie Stress hat, beginnt sie zu stottern und verspricht sich. Außerdem kommt sie bei Stress auch leicht außer Atem, was hörbar ist.

Ihre Stimme hätte ein Stimmtraining gut gebrauchen können. Ein möglicher Grund für ihre eigenwillige Betonung könnte die fehlende emotionale Beziehung zum Gesagten sein.

 

Beispiel:

Sprache

 

Angela Merkel spricht oft so, wie manch einer wenig motiviert schreibt. Ob das an ihrem Redenschreiber liegt oder an anderen Gründen, bietet Raum für Spekulationen. Ein aktiverer Sprachstil mit weniger Substantivierungen und ohne Man-Formulierungen wären für das Publikum angenehmer. Auch die schwindelerregend langen und verschlungenen Satzkonstruktionen sorgen dafür, dass es schwerfällt, ihr zu folgen. Das Lustzentrum treffen ihre Worte jedenfalls nicht — ihre Sprache ist nett. Etwas, das in anderen Bereichen selten genügt.

 

Beispiel:

 

 

1. Reaktiver Satzbau

 

Bei ihr dominieren lange Sätze in umständlichen Konstruktionen. Viele ihrer Formulierungen sind reaktiv; Sätze ohne Punkt und Komma, die dann doch nicht konkret werden, sondern viel offen lassen. Nur auf keinen Fall einen Standpunkt beziehen. Etwas, das in den meisten Unternehmen der freien Wirtschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in die Chefetage führen würde. Dort dominieren proaktive Formulierungen.

Vorwiegend wirkt ihre Sprache unnatürlich, formal. Emotionale Wirkung entfaltet sie nicht. Sie ist zu sehr darauf konzentriert, nur nicht anzuecken, anstatt zu begeistern. Ihren verschachtelten Sätzen zu folgen, nimmt dem Publikum die Energie. „Sie hat eine Sprache des Einlullens. Und das macht sie sehr gezielt, da ist sie höchst professionell. Sie ist eigentlich eine hoch qualifizierte Technokratin.” meinte Jutta Ditfurth, Publizistin und Mitbegründerin der Grünen. Stimmt das?

 

Beispiel:

  • Szene bei YouTube (externer Link)

 

 

2. Substantivierungen

 

Was bei Angela Merkel auffällt, sind die vielen Substantivierungen, also die Bildung eines Substantivs aus einer anderen Wortart, vor allem aus Verben und Adjektiven.

 

 

3. Passiv statt aktiv

 

Ihre Reden strotzen vor Passivkonstruktionen und Formulierungen, die nicht passiv sind aber dennoch Passivität ausdrücken.

Machen Sie das besser und formulieren Sie lieber weitgehend aktiv. Das Passiv, deutsch „Leidensform“, bieten sich dann an, wenn wir tatsächlich etwas erleiden, wenn wir nichts gegen etwas tun können und das Leiden betonen wollen. So etwas vermittelt Verständnis, beruhigt kurz, liefert aber keine Sicherheit, keine Orientierung. Außerhalb der Politik ist das nicht förderlich für die Karriere.

 

 

4. Wir-Formulierungen

 

Mitunter verwendet sie Wir-Formulierungen, die verbinden sollen, an Stellen, an denen diese von großen Teilen des Publikums so nicht als Gemeinsamkeit empfunden werden. Das Publikum sieht sich dann nicht als Teil des Wir. Das vertieft den Graben zusätzlich. Außerdem vermeidet das ständige Wir, statt dem beherzten Ich einen eigenen Standpunkt einzunehmen. Das führt in die Beliebigkeit.

 

Beispiel:

  • Szenen bei YouTube (externer Link)

 

 

5. Man-Formulierungen

 

Die Man-Formulierungen wirken schwammig. Sie lassen offen, wer für die anstehenden Aufgaben verantwortlich ist. Sie vermeidet dadurch eindeutige Positionen zu vertreten. Eine Absicht könnte die dadurch größere Flexibilität bei späteren Richtungskorrekturen sein.

 

 

6. Allgemeinplätze

 

Sie bleibt durch Allgemeinplätze und Floskeln meist schablonenhaft abstrakt und unangreifbar. Nur niemanden erregen! Dann schon lieber wiederholen, was schon bekannt ist und keine Wellen macht. Das liefert allerdings keine Orientierung und beruhigt nur kurzfristig.

 

 

 

Versprecher

 

Sie redet viel, das bringt ihr Beruf so mit sich. Sie verheddert sich – das passiert. Sie verspricht sich allerdings oft und wie manche glauben ist gerade das offenbarend. Es verrät, was sie tatsächlich denkt. Es folgen ein paar Beispiele:

 

1. Wasch mich, aber mach mich nicht nass

 

Sie behauptet in einer Gesprächsrunde offen für Verbesserungsvorschlägen zu sein, lädt dazu ein sie ihr zu geben und sagt dann; „… denn Deutschland soll so bleiben, wie es ist!“

 

Beispiel:

  • Szene bei YouTube (externer Link)

 

 

2. Antisemitismus ist staatliche Pflicht

 

Anlässlich der Pariser Terroranschläge gab Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Regierungserklärung ab. Dort erlaubte sie sich einen sehr groben Versprecher und erklärte „Antisemitismus ist staatliche Pflicht“. Die Abgeordneten applaudierten ihr kurz darauf jedoch unbeeindruckt. Ist das ein Hinweis auf besondere Loyalität ihr gegenüber oder dafür, dass ihr nicht sehr aufmerksam zugehört wird?

 

Beispiel:

  • Szene bei YouTube (externer Link)

 

 

3. Wunschkoalitionspartner

 

Ein Versprecher der Kanzlerkandidatin Angela Merkel führte im Sommer 2005 zur Belustigung im Bundestag. In ihrer Rede machte sie auch Angaben über den künftigen Koalitionspartner der Union: „Rot-Grün kann unser Land nicht mehr regieren, die PDS darf unser Land nicht regieren, CDU und CSU gemeinsam mit der SPD…“ Das führte zu lautem Gelächter bei der zu diesem Zeitpunkt noch regierenden Koalition von Rot-Grün. Angela Merkel berichtigte daraufhin ihren Fehler und betonte mehrmals, dass der künftige Koalitionspartner ausschließlich die FDP sei.

 

 

4. Schengen oder Dublin

 

Bei einer anderen Gelegenheit scheint es so, als verwechsle sie das Schengen-Abkommen (externer Link zu Wikipedia) mit dem Dublin-Übereinkommen (externer Link zu Wikipedia). Zufall?

 

Beispiel:

  • Szene bei YouTube (externer Link)

 

 

 

Freudsche Versprecher oder…?

 

Ob unbewusst beeinflusst oder vollkommen zufällige Versprecher, wer weiß das zu sagen? Mit entsprechender Vorbereitung lassen sich solche Patzer reduzieren. Ihre Wortverwechslungen wirken auch deshalb unfreiwillig komisch, weil sie dabei, genau wie beim übrigen Text, emotional unbeteiligt wirkt. Das gilt auch für so manches von ihr wohl schlichtweg nicht verstandene Konzept wie brutto und netto. Sie gibt regelmäßig und unumwunden zu, dass für sie vieles Neuland ist, nicht nur das Internet. Viele andere Redner würden bei einem Blackout panisch werden. Sie bleibt, wie sie ist. Es ist für sie wohl oft einfach kein erwähnenswertes Thema; nichts, das aus ihrer Sicht der Aufmerksamkeit wert ist. Denjenigen, denen das wichtig ist, vermittelt sie so jedoch keinen Vertrauen fördernden Eindruck.

 

 

Mehr Beispiele?

 

Hier sind sie (externe Links zu YouTube und Co.):

Schlagfertigkeit

 

Ihre Aussage „Das Internet ist für uns alle Neuland.“ ist wohl nicht absichtlich so komisch. Doch Sie kann durchaus schlagfertig sein und Humor an den Tag legen. Beispiele gefällig?

 

1. Barack Obama

 

Merkel hatte Barrack Obama 2008 verwehrt, als damaliger Präsidentschaftskandidat bei einem Berlin-Besuch am Brandenburger Tor zu sprechen. Daraufhin folgt lange Zeit kein entsprechender Besuch mehr in Berlin. Am 7. Juni 2011 entgegnete sie auf die Debatte, dass er einen Bogen um Berlin mache; „Ich kann versprechen, das Brandenburger Tor steht noch eine Weile.“

 

 

2. Kanzlerschaft

 

Am 17. September 2012 beantwortete sie die Frage, wie sich eine Große Koalition von einer schwarz-gelben Koalition unterscheidet: „In einer Großen Koalition gibt es immer noch einen Partner, der möchte auch den Kanzler stellen. … Herr Rösler ist gerne Vizekanzler und das kann ich gut verstehen.“

 

 

3. FDP

 

Am 4. Dezember 2012 sagte sie auf dem CDU-Parteitag zu den Turbulenzen in der Koalition mit dem damaligen Koalitionspartner FDP; „Auch mir hat eine Satiresendung schon einmal richtig aus der Seele gesprochen, als es dort hieß: Gott hat die FDP vielleicht nur erschaffen, um uns zu prüfen.“

 

 

4. CSU

 

Am 19. Oktober 2012 sagte sie in Richtung CSU-Parteivorsitzenden Horst Seehofer: „Wir machen es uns nicht zu jeder Sekunde einfach. Das ist so eine Art Test, wer noch wie viel Kraft hat.“

 

 

5. Durchhaltevermögen

 

Im Gespräch mit der Frauenzeitschrift Brigitte antwortete sie am 2. Mai 2013 auf die Frage, ob sie wirklich nur vier Stunden Schlaf brauche; „Nein. Ich habe gewisse kamelartige Fähigkeiten. Ich habe eine gewisse Speicherfähigkeit. Aber dann muss ich mal wieder auftanken.“

 

 

 

Redeaufbau

 

Während manche vermutlich länger vorbereiteten Reden oder Ansprachen eine durchdachte Redestruktur erkennen lassen, ist dies bei spontanen Beiträgen schwer erkennbar oder folgt einem, für sie typischen, unspektakulären Format. Berechenbarer Einstieg, Begrüßung, Themeneinheit, Themeneinheit, Themeneinheit, … , Verabschiedung. Das ist schade, weil sich durch einen strategischen Redeaufbau die Wirkung deutlich steigern lässt; es ist interessante zuzuhören und bringt die Menschen dazu sich für etwas einzusetzen.

 

Beispiel:

  • Szene bei YouTube (externer Link)
    Wenig bewegende Rede mit verhaltenem Applaus beim EPP Congress in Dublin

 

 

 

Ausstrahlung

 

Aufgefordert, sie zu beschreiben, nennen viele ihre Nüchternheit und ihre Reserviertheit  als besonders auffällig. Vor der Flüchtlingskrise war das Bild, das sich die Welt von Angela Merkel macht, eine Mischung aus Bewunderung und Kritik. Ihre Beschreibung hatte große Ähnlichkeit mit dem Bild der Deutschen überhaupt: Effizienz und Bodenständigkeit, gepaart mit unterkühlter Arroganz bei gleichzeitig ungelenken, fast schüchternem Auftreten. Mit der Wirtschaftskrise und Griechenland änderte sich im Ausland die Wahrnehmung von ihr, während ihr Ansehen in Deutschland weitgehend kontinuierlich war. Viele Deutsche betrachteten sie als beständigen Faktor. Seit der Flüchtlingskrise fallen nicht nur im Ausland die Beschreibungen recht unterschiedlich aus. Sie sind oft nicht sehr schmeichelhaft. Aber, das sind ja auch nicht ihre Wähler. Wobei ihr auch innerparteilich nun mitunter Gegenwind entgegenweht.

Nun, das kennt sie ja. Sie sagte am 16. November 2012, nach ihrer Kritik an der Menschenrechtspolitik von Russlands Präsident Wladimir Putin und unter Verweis auf die häufige Kritik an ihr in Deutschland; „Wenn ich da immer gleich eingeschnappt wäre, könnte ich keine drei Tage Bundeskanzlerin sein.“

 

 

1. Selbstkontrolle

 

Zwischenrufe quittiert sie oft nur mit minimalen Regungen. Sie legt viel Selbstdisziplin an den Tag, wenn es darum geht, nicht auf Provokationen zu reagieren. Das und die Bereitschaft des konstruktiven Streitens vermissen allerdings viele Beobachter. Schließlich belebt das die Demokratie. Blutleere Debatten sind die Folge.

„Ja, es ist ein großer Vorteil aus DDR-Zeiten, dass man gelernt hat zu schweigen. Das war eine der Überlebensstrategien“, sagte sie schon einige Zeit vor der Vereidigung zur Kanzlerin zu ihrer Biografin Evelyn Roll.

 

Beispiel:

  • Szene bei YouTube (externer Link)

 

 

2. Emotionen

 

Bei ihren Auftritten wirkt sie bei emotionalen Anforderungen überfordert auf mich. Das scheint ihr unangenehm zu sein. Ich denke da vor allem an die Szene, bei der es eine Diskussionsrunde um die Flüchtlingspolitik gab und ein weinendes Mädchen ihren Auftritt durcheinanderbrachte. Ihr Versuch, mit der Situation umzugehen, wirkte äußerst unbeholfen und aus der Sicht mancher Zuschauer sogar zynisch. Ist sie in dieser Situation ihrer Rolle als Bundeskanzlerin treu und somit authentisch geblieben, weil sie nichts versprochen hat, dass nicht in die Strategie passte?

Gerade emotionale Moment stecken voller Chancen. Wer die Massen bewegen will, nutzt solche Momente.

Beispiel:

 

 

 

Entwicklung

 

Unser Anspruch heißt: Wir wollen Volkspartei bleiben, auch im 21. Jahrhundert. … Wir wollen die große Volkspartei der Mitte sein.

Angela Merkel am Wahlabend des 27. September 2009

 

Die in vielen Augen als so konturlose geltende Kanzlerin gehört zu den wenigen Politikern, die sich ihre Persönlichkeit weitgehend bewahrt haben. Merkel war bereits 35 Jahre alt, als sie in die Politik ging. In diesem Alter ändert sich nicht mehr so leicht die gesamte Persönlichkeit.

Im Laufe der Jahre hat sich die Rhetorik der Bundeskanzlerin trotz offensichtlich ungenutzter Potenziale nur relativ wenig entwickelt. Ihr Auftreten ist hingegen im Laufe der Zeit souveräner geworden.

 

 

 

Gesamteindruck

 

Sie ist sich treu geblieben. Die Bundeskanzlerin verzichtet auf viele klassische Möglichkeiten, um sich und ihr Angebot überzeugend zu präsentieren. Sie vermeidet, was sonst als erstrebenswert gilt; eine Beziehung zum Publikum zu fördern, es zu aktivieren. Sie erklärt, wie die Dinge sind, anstatt für etwas zu werben oder gar zu streiten. So wirken ihre Auftritte unnatürlich und mitunter sogar befremdlich. Wer sein Publikum für sich gewinnen will, findet hier mehr Beispiele dafür, was im üblichen Sinne hinsichtlich wirksamer Rhetorik fehlt.

 

 

 

Fazit

 

Sie ist wahrlich flexibel:

We­der ein ge­ne­rel­les Tem­po­li­mit auf Au­to­bah­nen noch eine Maut für Pkw sind mit der Union zu ma­chen.

Angela Merkel zu Spie­gel on­line am 31. Au­gust 2005

 

Wer kann ihr übelnehmen, wenn sie möglichst der öffentlichen Meinung folgt? Wenn sie merkt, wie tief unsere Angst vor den tödlichen Risiken der Atomkraftwerke verwurzelt ist, dann lässt sie die Reaktoren abschalten. Wenn ihr jemand sagt, wie ungern die Bevölkerung die Bundeswehr in Krisenregionen schickt, dann stimmt sie neuen Einsätzen nicht mehr zu. Wenn sie bemerkt, wie kritisch große Teile der Bevölkerung manches Wirtschaftsgebahren empfindet, dann schreibt sie den Mindestlohn in das Wahlprogramm. So strebt sie an, wie sie es nach der Bundestagswahl ankündigte, die Kanzlerin aller Deutschen zu sein. Und das hat für sie eine Weile recht gut funktioniert und sie zumindest bis zur Flüchtlingskrise oben gehalten.

Auf den ersten Blick ist unverständlich, weshalb sie so viele Möglichkeiten der Rhetorik ungenutzt lässt. Allerdings spricht einiges dafür, dass Angela Merkels Rhetorik durchaus Teil einer Strategie ist, die sich allerdings nur für spezielle Bereiche wie politische Organisationen eignen dürfte. Schließlich dürfen wir ihr den Zugang zu rhetorischen Beratern und Redenschreibern unterstellen.

Anmerkungen

 

In den Beiträgen der Serien Körpersprache und Rhetorik-Check geht es darum die rhetorische Wirkung ausgewählter Personen zu analysieren. Jegliche politische Bewertung bleibt dabei außen vor und ist auch in den Kommentaren nicht erwünscht. Stattdessen geht es darum anhand der Beispiele zu erkennen was unter welchen Umständen funktioniert und was nicht, was lässt sich für eigene Zwecke lernen. Mit anderen Worten; es geht nicht um das Nörgeln, sondern das Aufdecken von Potenzialen.

Umfrageergebnis

 

Wie schätzen Sie die rhetorischen Fähigkeiten von Frau Angela Merkel ein?

%

Sehr gut

%

Gut

%

Befriedigend

%

Ausreichend

%

Mangelhaft

%

Ungenügend

Ergebnis einer nichtrepräsentativen Umfrage auf www.karstennoack.de (2016, n= 1308)

P.S.

 

Was ist Ihre Meinung dazu? Was ist Ihnen an der Rhetorik und den Auftritten der Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgefallen?

Die Artikel sind meist kurze Auszüge der umfangreicheren Kursunterlagen, die Teilnehmende im entsprechenden Gruppen- oder Einzeltraining oder im Coaching erhalten.

Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 8. Oktober 2016
Überarbeitung: 8. August 2019
Englische Version:
AN: #62116
K: CNB
Ü:

Statusspiele: 14 Wege mit Körpersprache den Status zu beeinflussen.

Statusspiele: 14 Wege mit Körpersprache den Status zu beeinflussen.

Körpersprache, Status und Statusspiele: Was verrät Ihre Körpersprache über Ihren Status?

Status und Körpersprache: Souverän wirken, ohne dich größer machen zu müssen

 

Zwei Menschen betreten einen Raum.

Der eine spricht viel.

Nimmt Raum ein.

Unterbricht andere.

Macht große Gesten.

Der andere spricht weniger.

Hört zu.

Bleibt ruhig.

Und trotzdem richtet sich die Aufmerksamkeit auf ihn, sobald er etwas sagt.

Wer von beiden besitzt den höheren Status?

Die Antwort ist weniger eindeutig, als manche Körpersprache-Ratgeber vermuten lassen.

Denn Status entsteht keineswegs dadurch, möglichst groß, laut und dominant aufzutreten.

Manchmal zeigt sich Souveränität gerade darin, dass jemand nichts beweisen muss.

 

 

 

Was bedeutet Status?

 

Wenn Menschen zusammenkommen, entstehen soziale Beziehungen.

Wer führt?

Wer folgt?

Wessen Einschätzung besitzt Gewicht?

Wer sucht Zustimmung?

Wer entscheidet?

Wer gibt anderen Raum?

Wer beansprucht ihn?

Ein Teil davon wird durch formale Rollen bestimmt.

Geschäftsführer und Mitarbeiterin.

Gastgeber und Gast.

Vorgesetzte und Mitarbeiter.

Experte und Ratsuchender.

Doch formaler Status und erlebter Status sind keineswegs dasselbe.

Jemand kann eine hohe Position besitzen und ausgesprochen unsicher wirken.

Ein anderer besitzt kaum formale Macht und strahlt trotzdem Ruhe, Kompetenz und Selbstverständlichkeit aus.

Deshalb lohnt sich eine wichtige Unterscheidung:

Position wird verliehen. Präsenz entsteht im Verhalten.

 

 

 

Körpersprache beeinflusst Status

 

Menschen nehmen sehr schnell wahr, wie andere auftreten.

Körperhaltung.

Blick.

Stimme.

Bewegungen.

Raumverhalten.

Sprechtempo.

Pausen.

Gestik.

All das beeinflusst unsere Wirkung.

Trotzdem sollten wir vorsichtig sein.

Ein einzelnes Signal besitzt selten eine eindeutige Bedeutung.

Verschränkte Arme beweisen keinen Widerstand.

Ein ausweichender Blick beweist keine Unsicherheit.

Eine tiefe Stimme beweist keine Souveränität.

Und raumgreifendes Verhalten beweist keinen hohen inneren Status.

Körpersprache lesen bedeutet beobachten und einordnen – weniger Gedankenlesen.

 

 

 

Hoher Status ist keineswegs dasselbe wie Dominanz

 

Das ist für mich eine der wichtigsten Korrekturen an vielen Statusmodellen.

Wer andere ständig unterbricht, ungefragt berührt, übergeht und Raum beansprucht, kann dominant wirken.

Das bedeutet noch lange keine Souveränität.

Manchmal geschieht genau dieses Verhalten aus Unsicherheit.

Wer seinen Status ständig demonstrieren muss, scheint sich seiner Position möglicherweise selbst wenig sicher zu sein.

Souveräne Menschen können Raum einnehmen.

Und sie können Raum geben.

Sie können führen.

Und zuhören.

Sie können widersprechen.

Und eine bessere Idee anerkennen.

Wirkliche Stärke braucht weniger Demonstration.

 

 

 

Innerer und äußerer Status

 

Hilfreich finde ich weiterhin die Unterscheidung zwischen innerem und äußerem Status.

 

Innerer Status

Wie erlebst du dich selbst in dieser Situation?

Fühlst du dich berechtigt, hier zu sein?

Traust du deiner Einschätzung?

Kannst du Widerspruch aushalten?

Bleibst du dir auch gegenüber wichtigen oder dominanten Menschen treu?

 

Äußerer Status

Wie verhältst du dich?

Wie sprichst du?

Wie viel Raum beanspruchst du?

Wie gehst du mit Unterbrechungen um?

Wie deutlich vertrittst du deine Position?

Spannend wird es, wenn beide Ebenen auseinanderfallen.

 

 

 

Außen groß, innen klein

 

Vielleicht kennst du Menschen, die ausgesprochen dominant auftreten.

Laut.

Bestimmend.

Schnell gekränkt.

Ständig darauf bedacht, ihre Position zu sichern.

Äußerlich sieht das nach Hochstatus aus.

Innerlich kann etwas ganz anderes geschehen.

Wer permanent beweisen muss, wie wichtig er ist, wirkt häufig weniger souverän als jemand, der seine Bedeutung kaum demonstrieren muss.

Deshalb interessiert mich bei Status weniger:

„Wie wirke ich möglichst mächtig?“

Sondern:

„Wie viel Status muss ich gerade überhaupt darstellen?“

 

 

 

Innen stabil, außen flexibel

 

Das halte ich für die interessanteste Kombination.

Du kennst deinen Wert.

Du kennst deine Rolle.

Du kennst deine Position.

Und deshalb kannst du dein äußeres Verhalten flexibel anpassen.

Du kannst einen Raum führen.

Und dich anschließend zurücknehmen.

Du kannst eine Entscheidung treffen.

Und jemanden anderen glänzen lassen.

Du kannst sehr deutlich sprechen.

Und zehn Minuten aufmerksam zuhören.

Innere Stabilität schafft äußere Beweglichkeit.

Das ist für mich eine wesentlich modernere Vorstellung von Status.

 

 

 

Statusflexibilität statt Dauer-Hochstatus

 

Wer versucht, permanent Hochstatus zu zeigen, wird schnell anstrengend.

In manchen Situationen brauchst du Führung.

In anderen Verbindung.

Manchmal Orientierung.

Manchmal Neugier.

Manchmal Durchsetzung.

Manchmal bewusstes Zurücktreten.

Stell dir eine Führungskraft vor, die mit einer Mitarbeiterin spricht, die auf ihrem Fachgebiet wesentlich mehr weiß.

Souveränität bedeutet jetzt keineswegs, Kompetenz zu demonstrieren.

Sie könnte sagen:

„Du kennst das Thema besser als ich. Was empfiehlst du?“

Verliert sie dadurch Status?

Aus meiner Sicht geschieht häufig das Gegenteil.

 

 

 

Status und Sympathie sind keine Gegensätze

 

Ältere Statusmodelle stellen häufig eine Art Tauschgeschäft her:

Mehr Status bedeutet mehr Respekt und weniger Nähe.

Weniger Status bedeutet mehr Sympathie und weniger Durchsetzungskraft.

So einfach ist menschliche Wirkung kaum.

Eine Person kann gleichzeitig:

klar,

warm,

entscheidungsfähig,

zugewandt

und respektiert sein.

Gerade charismatische Menschen verbinden häufig scheinbare Gegensätze.

Präsenz und Leichtigkeit.

Stärke und Zugewandtheit.

Klarheit und Interesse.

Souveränität braucht weder Kälte noch Distanz.

 

 

 

Was Körpersprache tatsächlich leisten kann

 

Körpersprache kann deine Botschaft unterstützen.

Eine ruhige Haltung kann Orientierung vermitteln.

Ein präsenter Blick Aufmerksamkeit signalisieren.

Eine tragfähige Stimme kann Klarheit unterstützen.

Bewusste Pausen geben Gedanken Gewicht.

Ruhige Bewegungen können Gelassenheit vermitteln.

Doch Körpersprache funktioniert besonders überzeugend, wenn sie zur inneren Haltung passt.

Wer versucht, Unsicherheit ausschließlich durch einstudierte Machtgesten zu überdecken, beschäftigt sich mit der Oberfläche.

Interessanter ist:

Was brauchst du, damit du in dieser Situation tatsächlich sicherer und klarer wirst?

 

 

 

1. Nimm deinen Platz ein

 

Das darf ganz wörtlich verstanden werden.

Viele Menschen machen sich in wichtigen Situationen körperlich kleiner.

Schultern enger.

Bewegungen kleiner.

Stimme leiser.

Sie weichen schneller aus.

Setzen sich an den Rand.

Oder entschuldigen sich beinahe für ihre Anwesenheit.

Souveränität beginnt manchmal sehr schlicht:

Erlaube dir, da zu sein.

Steh stabil.

Atme.

Nutze den Raum, den du brauchst.

Weder mehr noch weniger.

 

 

 

2. Lass dir Zeit

 

Zeit ist ein interessantes Statussignal.

Wer sich innerlich unter Druck fühlt, beschleunigt häufig.

Schneller sprechen.

Schneller antworten.

Schneller zustimmen.

Pausen vermeiden.

Souveränität erlaubt Zeit.

Du kannst eine Frage hören.

Nachdenken.

Und dann antworten.

Eine Pause von zwei Sekunden fühlt sich für dich möglicherweise lang an.

Für dein Gegenüber kann sie einfach nach Überlegung aussehen.

 

 

 

3. Sprich so laut wie erforderlich

 

Eine tragfähige Stimme hilft.

Lautstärke allein schafft jedoch keinen Status.

Wer brüllt, besitzt keineswegs automatisch Autorität.

Entscheidender sind:

Verständlichkeit.

Ruhe.

Variation.

Atem.

Tempo.

Und die Bereitschaft, einen Satz auch einmal stehen zu lassen.

Autorität braucht weniger Dezibel als Klarheit.

 

 

 

4. Beende deine Sätze

 

Manche Menschen verlieren am Ende eines Satzes hörbar an Kraft.

Die Stimme wird leiser.

Der Satz bekommt Fragecharakter.

Noch ein „oder?“

Noch ein „irgendwie“.

Noch ein „wenn das für euch okay ist“.

Gerade bei einer klaren Position darf ein Satz enden.

„Ich empfehle Variante B.“

Punkt.

Dann Pause.

 

 

 

5. Halte Blickkontakt, ohne zu starren

 

Blickkontakt kann Präsenz vermitteln.

Doch auch hier hilft weniger eine starre Regel als echtes Interesse.

Schau Menschen an, wenn du mit ihnen sprichst.

Schau sie an, wenn sie dir antworten.

Lass deinen Blick natürlich wandern.

Souveränität entsteht kaum durch einen Blickkontakt-Wettbewerb.

 

 

 

6. Beweg dich mit Absicht

 

Nervosität erzeugt häufig überschüssige Bewegung.

Wippen.

Herumlaufen.

An Gegenständen spielen.

Sich ständig berühren.

Das ist menschlich.

Statt einzelne Gesten zu verbieten, hilft häufig eine andere Frage:

Was möchte ich gerade tun?

Wenn du gehst, geh.

Wenn du stehst, steh.

Wenn du gestikulierst, unterstütze damit deinen Gedanken.

Zielgerichtete Bewegung wirkt meist ruhiger als permanent korrigierte Körpersprache.

 

 

 

7. Halte Unterbrechungen aus

 

Unterbrochen zu werden ist eine interessante Statussituation.

Manche Menschen verstummen sofort.

Andere kämpfen um jedes Wort.

Beides kann ungünstig sein.

Du kannst freundlich sagen:

„Einen Moment, ich möchte den Gedanken noch zu Ende führen.“

Und dann weitersprechen.

Ruhig.

Ohne Entschuldigung.

Ohne Machtkampf.

 

 

 

8. Unterbrich bewusst

 

Auch selbst zu unterbrechen kann erforderlich sein.

Ein Meeting läuft aus dem Ruder.

Jemand wiederholt sich.

Die Zeit ist knapp.

Dann kann Führung bedeuten:

„Ich unterbreche an dieser Stelle kurz. Wir entfernen uns gerade von der eigentlichen Entscheidung.“

Der Unterschied liegt in der Funktion.

Unterbrichst du, um jemanden kleinzumachen?

Oder um dem Gespräch Orientierung zu geben?

 

 

 

9. Verzichte auf unnötige Statussymbole

 

Titel.

Büro.

Auto.

Kleidung.

Sitzordnung.

All das kann Status signalisieren.

Und manchmal braucht es das.

Interessanter finde ich Menschen, deren Wirkung erhalten bleibt, wenn diese Symbole verschwinden.

Denn langfristig entsteht Status vor allem durch:

Kompetenz.

Integrität.

Entscheidungsfähigkeit.

Verlässlichkeit.

Orientierung.

Und die Art, wie du mit Menschen umgehst.

 

 

 

10. Gib anderen Status

 

Das ist eine meiner Lieblingsformen von Souveränität.

Stell jemanden vor.

Erwähne seinen Beitrag.

Frage nach seiner Expertise.

Lass einen Menschen ausreden.

Gib Anerkennung.

Überlasse jemandem bewusst die Bühne.

Unsichere Menschen erleben den Status anderer häufig als Bedrohung.

Souveräne Menschen können ihn erhöhen.

Wer anderen Größe zugestehen kann, wirkt selbst selten kleiner.

 

 

 

Status in schwierigen Gesprächen

 

Besonders deutlich werden Statusdynamiken bei Konflikten.

Wer gibt nach?

Wer bestimmt das Thema?

Wer rechtfertigt sich?

Wer darf unterbrechen?

Wer definiert, was angeblich „wirklich passiert“ ist?

Hier lohnt es sich, weniger auf Dominanz und stärker auf die eigene Position zu achten.

Du kannst sagen:

„Diese Darstellung teile ich nicht.“

„Ich möchte bei der konkreten Frage bleiben.“

„Darüber entscheide ich selbst.“

„Unter diesen Bedingungen führe ich das Gespräch nicht weiter.“

Das sind klare Statussignale.

Ohne Theater.

 

 

 

Status gegenüber mächtigen Menschen

 

Viele Menschen verändern sich, sobald sie mit jemandem sprechen, dem sie hohen Status zuschreiben.

Vorstand.

Prominente Persönlichkeit.

Professorin.

Großer Kunde.

Vorgesetzter.

Plötzlich wird die eigene Sprache vorsichtiger.

Man lacht häufiger.

Stimmt schneller zu.

Oder redet besonders viel, um Kompetenz zu beweisen.

Hilfreich ist eine innere Erinnerung:

Die andere Person besitzt möglicherweise mehr Macht, Einfluss, Erfahrung oder formalen Status. Sie besitzt deshalb keinen höheren menschlichen Wert.

Diese Unterscheidung verändert häufig bereits die Körpersprache.

 

 

 

Status gegenüber Menschen mit weniger Macht

 

Mindestens ebenso interessant ist die Gegenrichtung.

Wie verhältst du dich gegenüber Menschen, von denen du nichts brauchst?

Servicepersonal.

Praktikanten.

Mitarbeitenden.

Menschen ohne Einfluss auf deine Karriere.

Hier zeigt sich viel.

Souveränität braucht kaum jemanden, der kleiner gemacht wird.

 

 

 

Status und Charisma

 

Charisma wird manchmal als geheimnisvolle Eigenschaft behandelt.

Für mich steckt ein Teil davon in einer interessanten Kombination:

Präsenz + innere Stabilität + echtes Interesse am Gegenüber.

Ein Mensch ist bei sich.

Und gleichzeitig bei dir.

Er braucht deine Zustimmung weniger dringend.

Und nimmt dich trotzdem ernst.

Diese Kombination kann eine starke Wirkung entfalten.

 

 

 

Der Status-Kompass

 

Vor einer wichtigen Situation helfen sieben Fragen:

 

1. Welche Rolle habe ich hier?

Was wird tatsächlich von mir erwartet?

 

2. Welchen Status schreibe ich meinem Gegenüber zu?

Und was macht diese Zuschreibung mit mir?

 

3. Wie möchte ich mich selbst in dieser Situation erleben?

Klar? Ruhig? Zugewandt? Entscheidungsfähig?

 

4. Wo mache ich mich unnötig klein?

Sprache, Stimme, Raum, Rechtfertigungen?

 

5. Wo versuche ich, mich unnötig groß zu machen?

Dominanz, Unterbrechen, Statussymbole, Rechthaben?

 

6. Was braucht die Situation?

Mehr Führung oder mehr Raum für andere?

 

7. Wie kann ich meinen eigenen Status halten und gleichzeitig den Status anderer respektieren?

Diese letzte Frage verändert vieles.

 

 

 

Executive Presence beginnt innen

 

Gerade bei Menschen in exponierten Positionen geht es häufig um Wirkung.

Wie trete ich auf?

Wie wirke ich souveräner?

Wie bekomme ich mehr Präsenz?

Natürlich können wir an Stimme, Körpersprache und Verhalten arbeiten.

Doch die spannendere Arbeit beginnt häufig früher:

Welche innere Position nimmst du ein?

Musst du gefallen?

Musst du beweisen, dass du kompetent bist?

Darf jemand widersprechen?

Kannst du einen Fehler eingestehen?

Kannst du eine Entscheidung vertreten?

Kannst du Verantwortung übernehmen?

Kannst du einen Raum führen, ohne ihn zu dominieren?

Wenn sich diese Fragen verändern, verändert sich häufig auch die Körpersprache.

 

 

 

Vorbereitung auf wichtige Situationen

 

Bei wichtigen Auftritten, Gesprächen und Rollenwechseln kann individuelles Sparring helfen.

Dabei können wir beispielsweise betrachten:

wie du derzeit wirkst,

wie Selbst- und Fremdwahrnehmung zusammenpassen,

welche Statusdynamiken eine Situation prägen,

wie du auf dominante Menschen reagierst,

wo du dich kleiner oder größer machst als erforderlich,

wie Stimme und Körpersprache deine Botschaft unterstützen

und welche innere Haltung dir mehr Beweglichkeit ermöglicht.

Das Ziel ist weniger eine einstudierte „mächtige Körpersprache“.

Es geht um etwas Nachhaltigeres:

Du sollst auch dann bei dir bleiben können, wenn im Raum viel Status unterwegs ist.

 

 

 

Fazit: Souveränität braucht weniger Statusspiele

 

Status gehört zum menschlichen Miteinander.

Wir reagieren auf Rollen, Macht, Kompetenz, Sicherheit und Verhalten.

Das zu verstehen kann ausgesprochen hilfreich sein.

Doch das Ziel sollte aus meiner Sicht weniger lauten:

„Wie bekomme ich möglichst hohen Status?“

Interessanter ist:

„Wie frei kann ich mit Status umgehen?“

Kannst du Raum einnehmen, wenn es erforderlich ist?

Kannst du ihn geben, wenn jemand anderes ihn braucht?

Kannst du führen, ohne zu dominieren?

Kannst du zuhören, ohne dich unterzuordnen?

Kannst du einem mächtigen Menschen widersprechen?

Kannst du einem Menschen mit weniger Macht respektvoll begegnen?

Dann wird Status vom Machtspiel zum Gestaltungsspielraum.

Souveränität zeigt sich weniger darin, immer oben zu sein. Sie zeigt sich darin, deinen Platz zu kennen, ihn einzunehmen – und anderen ihren Platz zu lassen.

 

Der nächste Schritt

 

Wenn du dein Anliegen mit mir besprechen möchtest, nutze am besten das Kontaktformular.

Hilfreich ist, wenn du kurz beschreibst:

  • worum es geht
  • was du erreichen möchtest
  • bis wann das Thema relevant ist
  • ob du eine Online-Sitzung oder Präsenz in Berlin bevorzugst

Je genauer ich deinen Kontext kenne, desto gezielter kann ich auf deine Anfrage eingehen.

Viele Anliegen lassen sich online sehr effektiv bearbeiten. Das bietet einen diskreten, flexiblen und konzentrierten Rahmen.

Wenn Präsenz in Berlin sinnvoll ist, kann sie ebenfalls vereinbart werden.

Du kannst mich auch per E-Mail unter mail@karstennoack.de erreichen.

Telefonische Anfragen nehme ich aufgrund der hohen Zahl eingehender Kontakte weniger über eine öffentliche Telefonnummer entgegen. Klientinnen und Klienten erhalten die jeweils passenden Kontaktdaten für unsere Zusammenarbeit.

 

 

 

Gut informiert entscheiden

 

Transparenz ist mir wichtig.

Weitere Informationen findest du hier:

→ Profil und beruflicher Hintergrund
→ Angebote und Möglichkeiten der Zusammenarbeit
→ Honorare und Konditionen
→ Kennenlernen und erste Sitzung
→ Häufige organisatorische Fragen
Datenschutz

Wenn der Rahmen für dich passt, freue ich mich auf deine Anfrage.

→ Kontakt aufnehmen

 

 

 

Kontaktformular

 

Die Hinweise zum Datenschutz habe ich gelesen und bin einverstanden. Soweit relevant habe ich mich mit den Honoraren und organisatorischen Hinweisen vertraut gemacht.

P.S.

 

Wie bewusst sind Sie sich der alltäglichen Statusspiele? Welche Erfahrungen haben Sie mit der Wirkung von Körpersprache gemacht? Wie gehen Sie damit um?

Ich beobachte mich und verstehe dadurch die anderen. Laotse

Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 11. Juli 2016
Überarbeitung: 02. Mai 2026

Bundeskanzlerin Angela Merkel im ZDF-Sommerinterview 2016

Bundeskanzlerin Angela Merkel im ZDF-Sommerinterview 2016

Kurze Analyse des Interviews vom 10. Juli 2016 im ZDF
Bundeskanzlerin Angela Merkel im ZDF-Sommerinterview 2016

Im ZDF-Sommerinterview am 10. Juli 2016 stellte Bettina Schauten der Bundeskanzlerin Angela Merkel Fragen zu Themen wie Brexit, Flüchtlingskrise, Gauck-Nachfolge und Kanzlerkandidatur 2017.

Im ZDF-Hauptstadtstudio geschieht, was in solchen Situationen meist geschieht: Angela Merkel lässt provokante Fragen zu heiklen Themen unbeantwortet und umschifft weitgehend unbeeindruckt schwierige Themen. Und was sagt ihre Körpersprache?

 

 

 

Stichworte

 

So richtig spannend war es aus meiner Sicht nicht. Allerdings ist das selbst für eine erfahrene Journalistin wie Frau Schausten nur selten möglich Spitzenpolitiker aus der Reserve zu locken. Hier folgen ein paar Gedanken und den ausführlicheren Artikel zur Körpersprache und einen Rhetorik-Check finden Sie auf www.karstennoack.de im Blog.

 

 

 

Wo ist die Merkelraute geblieben?

 

Es mag auch an der Sitzhaltung und der Kameraführung gelegen haben; die Merkelraute ist mir nicht aufgefallen. Ich habe mir zwischendurch allerdings auch einen anregenden Kaffee geholt, da ich das Interview ansonsten als etwas unspektakulär empfand.

 

 

 

Brexit

 

Angela Merkel hält den Brexit für unumkehrbar und ihre Körpersprache sagt nichts Widersprüchliches dazu.

 

 

 

Kanzlerkandidatur 2017

 

Auf die Frage, ob sie sich bereits entschieden habe, ob sie 2017 wieder als Kanzlerkandidatin der Union antritt, antwortete sie nicht. Von ihrer Mimik lässt sich keine eindeutige unbewusste Entscheidung ablesen.

 

 

 

Doktorarbeit

 

Als sie mit dem Thema Promotion konfrontiert wird, taucht für einen Sekundenbruchteil eine Veränderung im Gesichtsausdruck auf; die Lippen sind nach außen gezogen und die Augenbrauen hochgezogen. Kurz darauf zeigt sie Anzeichen von Erleichterung.

 

 

 

Gesamteindruck

 

Insgesamt wirkt Angela Merkel recht souverän in diesem Interview. Sie lässt sich nur darauf ein, worauf sie will. Dabei sind kaum Hinweise als Stressreaktionen zu finden, sogar Hinweise für echte Freude sind erkennbar, an denen gleich zahlreiche Muskeln im Gesicht (Ducenne-Lächeln) einschließlich der Augen beteiligt sind. Wenn Sie angestrengt ist, verspricht sie sich etwas und wir hören so manches Äh beispielsweise bei den Arbeitsplatzzahlen. „Schauen Sie…” Auf die meisten Fragen antwortet sie wie üblich, indem sie die Dinge erklärt, so wie sie nun mal (aus ihrer Sicht) sind. Es gelingt ihr sich nicht das Heft aus der Hand nehmen zu lassen.

 

 

 

Sie wollen sich eine eigene Meinung machen?

 

Schauen Sie sich doch in Ruhe das gesamte Sommerinterview an. Der ausführliche Artikel Rhetorik-Check und Körpersprache der Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt Ihnen Hinweise, worauf Sie hinsichtlich Ausstrahlung, Sprache, Redeaufbau, Mimik, Gestik, Stimme, und Strategien achten können. Viel Spaß!

 

 

 

P.S.

 

Und was fällt Ihnen auf? Was hat Sie verbal und insbesondere körpersprachlich überzeugt und was nicht?

Ergänzende Artikel

 

Interviewabbruch: Und Tschüss! Ein Interview abbrechen.

Interviewabbruch: Und Tschüss! Ein Interview abbrechen.

Ist das so eine gute Idee?
Ein Interview abbrechen. Ist das so eine gute Idee?

Interview abbrechen? Wann ein Abbruch sinnvoll ist – und wie du souverän bleibst

 

Das Interview läuft.

Die ersten Fragen entsprechen ungefähr dem, was vereinbart war.

Dann verändert sich etwas.

Der Journalist wechselt das Thema.

Eine Frage überschreitet eine Grenze.

Eine Behauptung steht plötzlich im Raum.

Vielleicht werden Absprachen verletzt.

Und du denkst:

Soll ich dieses Interview abbrechen?

Eine schwierige Entscheidung.

Denn einfach aufzustehen kann dramatischer wirken als die Frage, die den Abbruch ausgelöst hat.

Gleichzeitig gibt es Situationen, in denen es vollkommen angemessen sein kann, ein Interview zu beenden.

Entscheidend ist deshalb weniger:

„Darf ich abbrechen?“

Die bessere Frage lautet:

„Welche Reaktion dient meiner Situation, meiner Botschaft und meiner Glaubwürdigkeit jetzt am besten?“

 

 

 

Ein Interviewabbruch ist selbst eine Botschaft

 

Das ist der erste Punkt, den du berücksichtigen solltest.

Sobald du ein Interview abbrichst, entsteht ein neues Ereignis.

Plötzlich lautet die Geschichte möglicherweise weniger:

„Was wurde gefragt?“

Sondern:

„Warum wollte diese Person darauf keine Antwort geben?“

Der Abbruch kann gefilmt werden.

Er kann zitiert werden.

Er kann zum Ausschnitt in sozialen Medien werden.

Und er kann stärker im Gedächtnis bleiben als alles, was du vorher gesagt hast.

Deshalb ist ein Interviewabbruch selten einfach das Ende der Kommunikation.

Er ist Kommunikation.

 

 

 

Unangenehme Fragen sind noch kein Grund zum Abbruch

 

Journalisten dürfen kritisch fragen.

Das gehört zu ihrer Aufgabe.

Eine Frage kann:

unangenehm,

hartnäckig,

skeptisch,

provokant

oder überraschend sein.

Das allein macht sie noch keineswegs unangemessen.

Gerade Menschen in verantwortungsvollen oder öffentlichen Positionen sollten damit rechnen, dass auch schwierige Themen angesprochen werden.

Deshalb gilt:

Unangenehm ist etwas anderes als unzulässig.

Diese Unterscheidung ist wichtig.

 

 

 

Wann ein Abbruch erwogen werden kann

 

Es gibt Situationen, in denen ein Abbruch durchaus sinnvoll sein kann.

Zum Beispiel, wenn wesentliche Vereinbarungen über das Format bewusst verletzt werden.

Wenn ein Gespräch in eine Form übergeht, der du so niemals zugestimmt hast.

Wenn rechtliche, persönliche oder sicherheitsrelevante Grenzen betroffen sind.

Wenn ein Gesprächspartner wiederholt beleidigend oder übergriffig wird.

Wenn die Situation so verändert wurde, dass eine faire Kommunikation kaum noch möglich ist.

Oder wenn du erkennst:

Die Fortsetzung richtet voraussichtlich größeren Schaden an als ein klar begründeter Abbruch.

Das ist eine Abwägungsentscheidung.

Keine Reflexhandlung.

 

 

 

Erst prüfen: Muss ich wirklich abbrechen?

 

Zwischen „weiterreden wie bisher“ und „aufstehen und gehen“ gibt es zahlreiche Möglichkeiten.

Und häufig sind sie besser.

Du kannst eine Frage zurückweisen.

Du kannst eine falsche Voraussetzung korrigieren.

Du kannst eine Grenze benennen.

Du kannst zum vereinbarten Thema zurückführen.

Du kannst eine Unterbrechung verlangen.

Du kannst die Frage neu rahmen.

Oder sagen:

„Dazu kann ich Ihnen heute keine belastbare Auskunft geben.“

Deshalb würde ich vor einem Abbruch innerlich prüfen:

Gibt es eine souveränere Zwischenstufe?

 

 

 

Schwierige Frage oder falsche Voraussetzung?

 

Manche Fragen enthalten bereits eine Behauptung.

Zum Beispiel:

„Warum haben Sie Ihre Mitarbeiter über diese Entscheidung getäuscht?“

Wer jetzt unmittelbar antwortet, akzeptiert möglicherweise bereits die Voraussetzung, dass eine Täuschung stattgefunden hat.

Dann ist Klärung sinnvoll:

„Diese Voraussetzung teile ich nicht. Lassen Sie uns zunächst klären, worauf Sie diese Behauptung stützen.“

Damit beantwortest du keineswegs blind die gestellte Frage.

Du prüfst zuerst ihren Rahmen.

Das ist häufig wesentlich souveräner als ein Abbruch.

 

 

 

Du musst keineswegs jede Frage beantworten

 

Auch das wird manchmal vergessen.

Ein Interview ist kein Verhör.

Du kannst sagen:

„Dazu äußere ich mich derzeit nicht.“

Oder:

„Über persönliche Angelegenheiten meiner Familie spreche ich in diesem Interview nicht.“

Oder:

„Dazu läuft derzeit ein Verfahren. Deshalb werde ich diesen Punkt hier nicht kommentieren.“

Oder schlicht:

„Diese Frage kann ich Ihnen heute nicht beantworten.“

Wichtig ist, dass du anschließend bei deiner Position bleibst.

 

 

 

Grenzen brauchen Klarheit

 

Eine schwammige Grenze lädt häufig zu weiteren Versuchen ein.

„Darüber würde ich eigentlich lieber nicht sprechen …“

klingt verhandelbar.

Wenn du eine echte Grenze meinst, darf sie eindeutig sein:

„Dieses Thema gehört nicht zu diesem Gespräch. Dazu werde ich mich nicht äußern.“

Ruhig.

Kurz.

Ohne Angriff.

Ohne lange Rechtfertigung.

Je länger du deine Grenze erklärst, desto mehr Material lieferst du häufig für die nächste Frage.

 

 

 

Die gefährlichste Phase: emotional reagieren

 

Eine überraschende Frage kann innerhalb weniger Sekunden viel auslösen.

Ärger.

Angst.

Empörung.

Scham.

Den Wunsch, sich sofort zu verteidigen.

Dann steigt das Risiko, etwas zu sagen, das du wenige Minuten später anders formulieren würdest.

Deshalb ist Selbststeuerung ein wesentlicher Teil guter Medienkommunikation.

Ein kurzer Moment hilft.

Atmen.

Blickkontakt halten.

Frage verstehen.

Dann antworten.

Du musst das Tempo des Journalisten keineswegs zu deinem inneren Tempo machen.

 

 

 

Was du bei einem Abbruch möglichst vermeiden solltest

 

Besonders ungünstig ist ein halbherziger Abbruch.

Du kündigst an zu gehen.

Stehst auf.

Antwortest trotzdem weiter.

Drehst dich wieder um.

Diskutierst im Gehen.

Kommst noch einmal zurück.

Jetzt hast du einen Teil der Kontrolle abgegeben und gleichzeitig den Abbruch dramatisiert.

Wenn du dich nach sorgfältiger Abwägung entscheidest, ein Interview zu beenden, sollte die Entscheidung möglichst klar sein.

Entscheiden. Begründen. Beenden.

 

 

 

Wie kann ein professioneller Interviewabbruch aussehen?

 

Eine mögliche Struktur besteht aus drei Schritten.

 

1. Grenze benennen

„Wir hatten für dieses Gespräch einen anderen thematischen Rahmen vereinbart.“

 

2. Konsequenz formulieren

„Unter diesen Bedingungen möchte ich das Interview nicht fortsetzen.“

 

3. Beenden

„Deshalb beende ich das Gespräch an dieser Stelle. Vielen Dank.“

 

Dann Ende.

Keine zusätzliche Debatte.

Keine Rechtfertigungsschleife.

Keine Bemerkung im Weggehen, die anschließend zur Schlagzeile wird.

 

 

 

Bleib professionell, gerade wenn du dich unfair behandelt fühlst

 

Vielleicht bist du vollkommen überzeugt:

Das war unfair.

Gerade dann ist Vorsicht hilfreich.

Denn dein Publikum kennt möglicherweise die Vorgeschichte kaum.

Es sieht einen Ausschnitt.

Und bewertet dein Verhalten.

Deshalb sollte deine Reaktion auch für Menschen nachvollziehbar sein, die deine Sicht der Dinge noch gar nicht teilen.

Souveränität zeigt sich besonders dann, wenn du dich provoziert fühlst.

 

 

 

Körpersprache wird plötzlich besonders sichtbar

 

Bei einem schwierigen Interview steigt die Aufmerksamkeit für jede Veränderung.

Stimme.

Sprechtempo.

Atmung.

Blickkontakt.

Gesichtsausdruck.

Bewegungen.

Das bedeutet keineswegs, dass du Körpersprache künstlich kontrollieren solltest.

Der bessere Ansatz liegt vorher:

Innere Orientierung reduziert äußere Unruhe.

Wenn du weißt, welche Themen schwierig werden könnten, welche Grenzen gelten und welche Botschaften du vertreten möchtest, besitzt du im entscheidenden Moment mehr Handlungsmöglichkeiten.

 

 

 

Keine Körpersprache-Diagnosen

 

Ein wichtiger Punkt:

Nervosität beweist keine Lüge.

Blickverhalten beweist keine Schuld.

Lippenbewegungen beweisen keine Täuschung.

Menschen reagieren unter Druck unterschiedlich.

Deshalb würde ich Körpersprache weniger als Lügendetektor betrachten.

Interessanter sind Veränderungen:

Wann verändert sich das Verhalten?

In welchem Zusammenhang?

Und welche alternativen Erklärungen gibt es?

Beobachten ist sinnvoll. Gedankenlesen weniger.

 

 

 

Vorbereitung entscheidet häufig vor dem Interview

 

Viele schwierige Interviews werden lange vor der ersten Frage gewonnen oder verloren.

Eine gute Vorbereitung klärt:

Was ist der Anlass?

Wer führt das Interview?

Für welches Medium?

Welche Zielgruppe?

Live oder aufgezeichnet?

Wie lang?

Welche Themen wurden vereinbart?

Welche aktuellen Entwicklungen könnten angesprochen werden?

Welche kritischen Fragen sind wahrscheinlich?

Welche Informationen sind vertraulich?

Welche Aussagen müssen rechtlich abgestimmt sein?

Welche Botschaften möchtest du unbedingt vermitteln?

Und:

Wo liegen deine Grenzen?

 

 

 

Bereite schwierige Fragen ausdrücklich vor

 

Es bringt wenig, ausschließlich angenehme Fragen zu üben.

Die interessante Vorbereitung beginnt dort, wo du hoffst:

„Das wird hoffentlich niemand fragen.“

Genau diese Frage gehört auf den Tisch.

Was wäre eine faire Antwort?

Welche Fakten brauchst du?

Welche Formulierung ist präzise?

Wo musst du eine Grenze ziehen?

Welche Aussage wäre unnötig riskant?

Was möchtest du keinesfalls spontan improvisieren?

Gute Vorbereitung reduziert keineswegs Spontaneität.

Sie schafft sie.

 

 

 

Kenne deine Kernbotschaften

 

Bei schwierigen Fragen besteht die Gefahr, vollständig in die Agenda des Interviewers zu geraten.

Deshalb solltest du vorher wissen:

Welche zwei oder drei Aussagen sollen von diesem Interview übrig bleiben?

Das bedeutet keineswegs, Fragen zu ignorieren und stumpf vorbereitete Botschaften zu wiederholen.

Menschen merken das.

Es bedeutet:

Du kennst deinen eigenen kommunikativen Kompass.

Du beantwortest die Frage und weißt gleichzeitig, welche Zusammenhänge für deine Botschaft wichtig sind.

 

 

 

Was, wenn eine Frage überraschend kommt?

 

Dann darfst du denken.

Du darfst sagen:

„Lassen Sie mich einen Moment überlegen.“

Oder:

„Ich möchte die Frage präzise beantworten.“

Oder:

„Dazu möchte ich Ihnen lieber eine belastbare Zahl nennen, statt jetzt zu spekulieren.“

Das wirkt häufig souveräner als eine schnelle Antwort, die anschließend korrigiert werden muss.

 

 

 

Was, wenn du die Antwort nicht weißt?

 

Dann gibt es einen bemerkenswert professionellen Satz:

„Das weiß ich derzeit nicht.“

Er kann ergänzt werden:

„Ich kann Ihnen das nachreichen.“

Oder:

„Dafür ist meine Kollegin die bessere Ansprechpartnerin.“

Kompetenz bedeutet keineswegs, alles zu wissen.

Sie zeigt sich auch darin, die Grenzen des eigenen Wissens zu kennen.

 

 

 

Was, wenn du einen Fehler gemacht hast?

 

Dann verändert sich die Aufgabe.

Jetzt geht es weniger darum, eine schwierige Frage „abzuwehren“.

Es geht darum, glaubwürdig Verantwortung zu übernehmen.

Eine klare Antwort kann stärker sein als zahlreiche Ausweichbewegungen.

Was ist geschehen?

Was war dein Anteil?

Was hast du daraus gelernt?

Was geschieht jetzt?

Gerade in Krisensituationen kann der Versuch, einen offensichtlichen Fehler sprachlich verschwinden zu lassen, erheblich mehr Schaden erzeugen als der ursprüngliche Fehler.

 

 

 

Der Interviewabbruch-Kompass

 

Wenn du während eines Interviews ernsthaft über einen Abbruch nachdenkst, helfen sechs Fragen:

 

1. Was genau ist gerade geschehen?

Trenne Überraschung, unangenehme Frage und tatsächliche Grenzüberschreitung.

 

2. Welche Vereinbarung oder Grenze wurde verletzt?

Kannst du sie konkret benennen?

 

3. Gibt es eine mildere und wirksamere Reaktion?

Korrigieren, begrenzen, zurückführen, pausieren?

 

4. Was passiert wahrscheinlich, wenn ich weitermache?

Welche Risiken entstehen?

 

5. Was passiert wahrscheinlich, wenn ich abbreche?

Welche Bilder, Schlagzeilen und Interpretationen können entstehen?

 

6. Welche Entscheidung kann ich anschließend am besten vertreten?

Das ist häufig die wichtigste Frage.

 

 

 

Nach einem Interviewabbruch

 

Mit dem Verlassen des Raumes ist die Kommunikation keineswegs beendet.

Jetzt braucht es möglicherweise eine abgestimmte Reaktion.

Was wird gegenüber dem Medium gesagt?

Was gegenüber Mitarbeitenden?

Was gegenüber Öffentlichkeit oder Kunden?

Gibt es eine sachliche Erklärung?

Muss etwas richtiggestellt werden?

Wer spricht?

Je größer die öffentliche Relevanz, desto wichtiger ist eine abgestimmte Nachbereitung.

 

 

 

Ein Interview abbrechen oder aushalten?

 

Es gibt keine allgemeine Antwort.

Manchmal ist Weiterreden die souveränere Entscheidung.

Manchmal eine klare Grenze.

Manchmal eine Unterbrechung.

Und gelegentlich ist der Abbruch die richtige Konsequenz.

Entscheidend ist:

Handle weniger aus dem ersten Impuls und stärker aus einer geklärten Position.

Denn unter Druck wird Kommunikation schnell zur Reaktion.

Gute Vorbereitung schafft die Möglichkeit, wieder zu entscheiden.

 

 

 

Vorbereitung auf kritische Medienauftritte

 

Bei wichtigen Interviews arbeite ich deshalb weniger mit auswendig gelernten Standardantworten.

Im individuellen Sparring können wir beispielsweise:

wahrscheinliche und unangenehme Fragen identifizieren,

Kernbotschaften schärfen,

kritische Fragen simulieren,

Antworten auf Belastbarkeit prüfen,

Grenzen definieren,

spontane Nachfragen trainieren,

verbale und nonverbale Wirkung betrachten

und verschiedene Eskalationsstufen durchspielen.

Dabei geht es weniger darum, journalistischen Fragen auszuweichen.

Es geht darum, auch unter Druck klar, glaubwürdig und handlungsfähig zu bleiben.

 

 

 

Fazit: Ein Abbruch ist die letzte Eskalationsstufe

 

Ein schwieriges Interview muss keineswegs ein schlechtes Interview sein.

Kritische Fragen gehören dazu.

Überraschungen ebenfalls.

Entscheidend ist, wie du damit umgehst.

Korrigiere falsche Voraussetzungen.

Beantworte berechtigte Fragen.

Benenne Grenzen.

Vermeide Spekulationen.

Bleib bei dem, was du weißt und vertreten kannst.

Und wenn eine Situation tatsächlich einen Abbruch verlangt:

Triff die Entscheidung bewusst. Kommuniziere sie klar. Und ziehe sie ruhig durch.

Denn bei einem Medienauftritt wird auch die Art, wie du eine schwierige Situation beendest, Teil deiner Botschaft.

P.S.​

 

Wie steht es mit Fragen oder Kommentaren dazu?

Autor: Karsten Noack
Erstveröffentlichung: 21. Mai 2004
Überarbeitung: 02. Mai 2026

Der schöne Schein: Körpersprache in der Politik am Beispiel Hillary Clinton

Der schöne Schein: Körpersprache in der Politik am Beispiel Hillary Clinton

Mit Persönlichkeit und Botschaft überzeugen. Was sich von anderen Personen lernen lässt.
Hillary Clinton's Körpersprache

Körpersprache in der Politik

 

Überzeugende Körpersprache ist ein mächtiger Verbündeter für alle, die an der Unterstützung durch andere Menschen interessiert sind. Sie hilft Politikern gewählt zu werden. Das ist spätestens seit der ersten Fernsehdebatte, 1960 zwischen Richard Nixon und John F. Kennedy Jr., bekannt. Damals erholte sich Nixon gerade von einer Verletzung und verzichtete noch dazu auf etwas Kosmetik, obwohl er nicht fit aussah. Während des Interviews schwitzte er und sah unsicher aus. Kennedy wirkte hingegen jung, leistungsfähig und souverän. Die überwiegende Anzahl der Fernsehzuschauer war von Kennedy überzeugt, während die Zuhörer vor dem Radio Nixon für überzeugender hielten. Zu sehen bei YouTube™ (externer Link).

Also kein Wunder, dass Körpersprache und sonstige nonverbale Kommunikation gerade in solchen Bereichen möglichst nicht dem Zufall überlassen werden. So gibt es im US-Wahlkampf stets eine Menge über Körpersprache zu lernen.

 

 

 

Hillary Clinton’s Körpersprache

 

In diesem Artikel widme ich mich einigen Beobachtungen zur Körpersprache von Hillary Clinton. Material zur Auswertung steht ja reichlich zur Verfügung.

Im Wahlkampf wirken Hillary Clinton’s Auftritte sehr einstudiert. Da wird möglichst nichts dem Zufall überlassen. Aber irgendetwas fehlt trotzdem — oder gerade deswegen. Sie wirkt dabei nicht authentisch, etwas menschliches fehlt. Da ist keine Leichtigkeit die für Souveränität steht. Ihr Lächeln scheint angestrengt und eingefroren. Es drängt sich der Vergleich mit Bill Clinton auf. Bei ihm wirkt alles etwas lockerer, sympathischer. Er wusste und weiß auch heute noch die Menschen für sich einzunehmen. Wenn er sich am gleichen Ort befindet, strahlt er noch immer etwas mehr aus als Hillary, selbst wenn er nichts sagt. Das dürfte sich auf sie wohl auch zwiespältig auswirken und zu manch einer nonverbalen Reaktion beitragen.

 

 

1. Ekstase

 

Schon in früherer Zeit zeigte sie gerne mit dem Finger in die Menge, so, als würde sie lauter bekannte Gesichter im Publikum erkennen. Auch heute wirkt das bei genauerer Betrachtung zu inszeniert. Auf Fotos mag es gut aussehen und für die Medien ist es wohl auch gedacht.

Auch Mimik und Gestik sind maximal ausgeprägt. Bei ihren Anhängern mag das anders wirken, es gib kulturelle Unterschiede. Für den deutschen Beobachter erinnern besonders die oft extrem weit aufgerissenen Augen und der ebenso weit geöffnete Unterkiefer etwas an die eigenartige Art und Weise der Verkaufspräsentationen auf den Tele-Shopping-Kanälen. Auch Ihr Klatschen wirkt in diesem Sinne etwas eigenartig.

 

 

2. Stimme

 

Hillary Clinton passt ihre Sprechgeschwindigkeit dem Publikum an. Sie spricht langsamer bei Reden im Süden und spricht schneller in New York.

 

 

3. Lächeln

 

Ihr Lächeln erreicht oft nicht die Augen. Auch die bei einem herzlichen Lächeln beteiligten Muskeln um die Lippen herum sind selten aktiv. So entsteht kein Duchenne-Lächeln, das als echtes Lächeln gilt. So ein unvollständiges Lächeln wird eingesetzt, um tatsächliche Emotionen zu maskieren.

 

 

4. Mögliche Hinweise auf Unsicherheit

 

Es ist ihr gut anzusehen, wenn sie sich unwohl fühlt. Sie strahlt dann mehrere Hinweise aus. Ein Beispiel: In einigen verfügbaren Interviewsituationen hebt Hilary Clinton wiederholt für einen kurzen Moment ihre Schultern. Es geschieht unbewusst und ist so kurz, dass es nur bei aufmerksamer Beobachtung vom Publikum bewusst registriert wird. Unbewusst wird es trotzdem aufgenommen. Da sie es an Stellen tut, an denen sie sich nicht wohl zu fühlen scheint, ist dies ein möglicher Hinweis auf Unsicherheit. Die persönliche Verbindung zur aktuellen Botschaft ist dann zu hinterfragen.

Ein anderer oft zu sehender Hinweis auf Unsicherheit ist ihr Lippenlecken. Außerdem versteckt sie manchmal ihre Daumen.

 

 

5. Glaubwürdigkeit

 

Sie sagt; „I’m very comfortable” und zieht dabei die äußeren Augenbrauen hoch. Etwas, dass als Hinweis für Unsicherheit gilt. Sie sagt „I want the American people to see everything.” und schließt die Augen.

Nachdem sie in einer Sendung von Anderson Cooper zu einer Zahlung von Goldman Sachs gefragt wurde, machte sie 2 Schritte nach hinten, während sie antwortet. Zu sehen in der Videoreferenz bei YouTube™ (externer Link). Solche Symbolik schadet der Glaubwürdigkeit der in diesem Fall gegensätzlichen Botschaft.

 

 

6. Sie ist routiniert

 

Sie ist ein Profi; routiniert, zu kontrolliert und genau das wird zu sehr deutlich, da es häufiger im Widerspruch zur Körpersprache steht. Auf jede Frage liefert sie eine Antwort. Sie wirkt durchaus kompetent. Doch Sympathie lässt sich so aufgesetzt nur schwer fördern. Es wirkt so zu berechnend, maskiert. Bei der Wahrnehmung Ihrer Auftritte spielen bei vielen Betrachtern sicher auch ältere Erfahrungen mit ihr eine Rolle. Seit der Lewinsky-Affäre haben viele Menschen den Eindruck sie sei zu berechnend und es fehlen ihr die Emotionen. Sie würde sich einen großen Gefallen tun, an diesem Eindruck zu arbeiten.

 

 

7. Aggressivität

 

Ihre Körpersprache ist eher männlich und aggressiv. Oft wirkt es, als wenn einer ihrer Finger wie der Lauf einer Waffe zielt.

 

 

 

Fazit

 

Etwas mehr Menschlichkeit an den Tag zu legen würde ihrer Ausstrahlung gut tun. Und etwas lockerer würde sie souveräner wirken. Sollte sie die Vorwahlen und schließlich auch die Präsidentschaftswahlen in den USA gewinnen, wird es interessant zu beobachten, ob und wenn ja, wie sich ihre Körpersprache verändert. Ich gehe davon aus, dass es in diesem Fall nach kurzer Zeit einige Unterschiede zu beobachten gibt.

 

 

 

Tipp

 

Beim Betrachten der Körpersprache hilft es bei einem Durchlauf den Ton abzustellen. So lassen sich eigenwillige Hinweise bei Gestik und Mimik leichter erkennen. Um die blitzschnellen Mikrohinweise einzufangen ist HD-Video und häufiges Drücken der Pausentaste erforderlich.

 

Anmerkungen

 

In den Beiträgen der Serien Körpersprache und Rhetorik-Check geht es darum die rhetorische Wirkung ausgewählter Personen zu analysieren. Jegliche politische Bewertung bleibt dabei außen vor und ist auch in den Kommentaren nicht erwünscht. Stattdessen geht es darum anhand der Beispiele zu erkennen was unter welchen Umständen funktioniert und was nicht, was lässt sich für eigene Zwecke lernen. Mit anderen Worten; es geht nicht um das Nörgeln, sondern das Aufdecken von Potenzialen.